Erwin Hadwiger (sitzend 2.v.li.) bei einer Ausstellungspräsentation 2023 in den Privaten Schulen Breitschaft in Regensburg – eine der Ausstellungs-Rollups beschäftigte sich mit dem Künstler Georg Hans Trapp
Gedenken an 80 Jahre Kriegsende im Alten Rathaus Kallmünz
Im Mittelpunkt der Ausstellung im Alten Rathaus standen die Bilder des KZ-Überlebenden Georg Hans Trapp.
In die grauenvolle Zeit des Zweiten Weltkrieges fällt zum Ende hin der Befehl eines Lagerkommandanten des KZ Hersbruck zur Evakuierung des Lagers vor der anrückenden US-Armee. Die ersten und schwächsten Häftlinge verlassen das Lager Hersbruck noch Anfang April 1945 mit einem Zug in offenen Wägen Richtung Süden mit Ziel Dachau. Im Weiteren folgen an den nächsten Tagen fünf Fußgruppen mit je etwa 600 Häftlingen und etwa 200 Bewachern – unter ihnen der sudetendeutsche Sozialdemokrat und Künstler Georg Hans Trapp.
Der Weg dreier dieser Gruppen führt von Hersbruck über das Lauterachtal nach Schmidmühlen und weiter nach Kallmünz. Hier übernachten diese Gruppen, streng bewacht und abgeschottet von der Bevölkerung, an verschiedenen Tagen am Schmidwöhr zwischen Naab und Vils, bevor sie weiter Richtung Regensburg getrieben werden.
An diese Ereignisse erinnerte ein Gedenkabend am 12. April mit Themenvorträgen über das „Kriegsende in Kallmünz“ und zum Thema „Todesmarsch von Hersbruck nach Dachau“. Außerdem gab es vom 5. bis zum 20. April eine Ausstellung im Alten Rathaus. Man konnte dort Zeichnungen des KZ-Überlebenden Georg Hans Trapp „Das Antlitz der Opfer“ sehen, ergänzt durch Skulpturen von Künstlern aus Kallmünz. Die Ausstellung ist durch die Unterstützung der Seliger Gemeinde und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg möglich geworden.
Beauftragt mit der Organisation des Gedenkens, haben sich rund um den Ortsheimatpfleger Stephan Stoiber, interessierte Privatpersonen, Künstler und Ortsvereine aus Kallmünz sowie der Historiker Erwin Hadwiger aus Oppersdorf zusammengefunden. Hadwiger forscht seit vielen Jahren zum Thema „Elendsmärsche“ und ist Mitglied der Seliger-Gemeinde Regionalgruppe Niederbayern/Oberpfalz
„Das darf nicht vergessen werden“, sagt Hadwiger über die Todesmärsche. Dabei ist das Interesse an seiner Arbeit vielerorts gering. „Ich forsche zu etwas, das niemanden interessiert“, sagt Hadwiger. Doch auch durch seine Materialsammlung lassen sich die Ereignisse aus dem Frühjahr 1945 heute gut nachvollziehen.
Fünf Gruppen mit jeweils 600 Häftlingen verlassen auf verschiedenen Routen das Lager Hersbruck. In Fünferreihen geht es voran, im Schnitt 15 Kilometer pro Tag. Manchen Häftlingen gelingt die Flucht, andere werden unterwegs von den Amerikanern befreit – so auch Georg Hans Trapp. Und wieder andere werden auf dem Weg von der SS erschossen oder sterben an Entkräftung.
Sofort nach der Befreiung fertigte Georg Hans Trapp Skizzen an, die das Leid der Häftlinge darstellen. Daraus entstand der bekannte Zyklus „Das Antlitz der Opfer“ der von der Seliger-Gemeinde in einer Ausstellung 1971 veröffentlicht wurde.
Mit den Erinnerungen an das ehemalige KZ Hersbruck ist auch die Erinnerung an die Todesmärsche von Hersbruck weitgehend erloschen. Und gäbe es nicht Menschen wie Erwin Hadwiger, würde das vielleicht so bleiben. Knapp 100 Kilometer sind es von Hersbruck in die Nähe von Regensburg. Hier wohnt der pensionierte Gymnasiallehrer Erwin Hadwiger, der 20213 einen Bericht über die Todesmärsche von Hersbruck in die Finger bekommen hatte. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt er. Die Häftlinge mussten ja ganz in der Nähe vorbeigelaufen sein. Wie konnte es da sein, dass er, der Geschichtslehrer, kaum etwas darüber wusste? Also hat Hadwiger angefangen Material zusammenzustellen und mit Zeitzeugen zu sprechen. So zu lesen in einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung zum Gedenktag am 12.4.2025 in Kallmünz. Im Mittelpunkt der Ausstellung im Alten Rathaus standen die Bilder des KZ-Überlebenden Georg Hans Trapp.