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100 Jahre für Frieden und Freiheit - 100 Jahre DSAP

Veröffentlicht am 19.09.2019 in

Libor Rouček (li.), MdEP a.D. und Co-Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums mit Seliger-Bundesvorsitzendem Albrecht Schläger (re.), MdL a.D. am Ort der Rede von Josef Seliger am  Aufgang zum Teplitzer Rathaus – Originalaufnahme vom 4. März 1919 mit Josef Seliger (Seliger-Archiv/FES)

Begegnung an historischem Ort I

Seliger Gemeinde erinnert an Rede von Josef Seliger in Teplice/Teplitz am 4. März 1919

Anlässlich der 100-Jahrfeier besuchte die Seliger Gemeinde bei einem Spazierganz durch das sozialdemokratische Teplitz/Teplice auch den Vorplatz des Rathauses.  Schon am 10. November 1918 erinnerte Josef Seliger, zweiter Mann der Provinz (stellv. Landeshauptmann), beim Kampf um das Selbstbestimmungsrecht in einem verbitterten Auftritt vor dem Rathaus in Teplitz an Alois Rašíns Worte „mit Rebellen verhandeln wir nicht“ und damit also der Unmöglichkeit, eine konstruktive Debatte mit der tschechischen Seite zu führen. Und am 4. März 1919 hat Josef Seliger zu 25.000 auf dem Marktplatz versammelten Landsleuten gesprochen. Hintergrund der Demonstration war, dass die Prager Regierung die Teilnahme der Deutschböhmen an den ersten Parlamentswahlen in Österreich unterband. Die örtliche Landesgruppe der Sozialdemokraten beschloss, anlässlich des Wahltages am 4. März 1919 Demonstrationen und einen Generalstreik durchzuführen.

Von den Steinblocken am Aufgang zum Rathaus herab sprach Josef Seliger, der Vorsitzende der Sozialdemokraten: „Uns führt nicht Hass gegen das tschechische Volk zusammen, dem wird seine Befreiung…gönnen… Nur die Liebe zu unserem Volke, zu unserer Freiheit und zu unserem Rechte ist es, die uns heute zusammenführt… Es gab einen Augenblick, wo das tschechische Volk uns mit großer Aussicht auf Erfolg die Hand zur Verständigung hätte reichen können: wenn die Vertreter des tschechischen Volkes nach dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie an uns herangetreten wäre, um gemeinsam mit uns ein freies Gemeinwesen unter gegenseitiger Achtung des Rechtes zu begründen, so hätte vielleicht damals das Echo aus Deutsch-Böhmen nicht lange auf sich warten lassen. Aber unter solchen Umständen, wie die Machthaber des tschechischen Volkes ihren Staat heute begründen wollen, ist ein Zusammenwirken nicht möglich …“

Obwohl die Deutschböhmen friedlich für das Selbstbestimmungsrecht demonstrierten löste das tschechoslowakische Militär die Kundgebung auf und es kam auch in Teplitz zu Schießereien, aber ohne tödlichen Ausgang.

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