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Zeitungsfund

Veröffentlicht am 24.05.2022 in Allgemein

Kommunalwahlkampf im Kuhländchen 1911

Sozialdemokrat Heinrich Nitschmann auf verlorenem Posten

In der Wiener Arbeiter Zeitung vom 6. Juli 1911 war zu lesen, dass der Wahlkampf im 13. Mährischen Wahlbezirk, in Neutitschein nicht nur klassenkämpferisch sondern vor allem religiös geprägt waren. So habe das Bonifaziusblatt als Wahlaufruf getitelt: „Wählt nur den katholischen Teltschik und nicht den Protestanten Nitschmann.“ Die Christsozialen unterließen es sogar zu Gunsten des Agrariers Teltschik einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Die Wahlagitation der Sozialdemokratie wurde, wie an vielen anderen Orten auch, sehr erschwert. Es war üblich, den Wirten den Bankrott anzudrohen, wenn sie das Lokal zu einer Versammlung für die Sozialdemokraten hergäben. Die Plakate wurden in den meisten Orten sofort herabgerissen, so dass den Wahlkämpfern nichts anderes übrigblieb, als von Haus zu Haus persönlich einzuladen.

In den Versammlungen selbst trat man dem genossen Nitschmann oft mit den schmutzigsten Praktiken entgegen. Es wurde ein gegnerischer Sitzungsvorsitzender gewählt, der ihm bei dem ersten scharfen Angriff das Wort entzog und die Versammlung schloss. Die Jungmannen wurden in die Versammlungen kommandiert und mussten dort deutschnationale Lieder brüllen. In einigen Orten wurden die Versammlungen gleich zu Beginn gesprengt. Genosse Nitschmann musste sich in mehreren Versammlungen mit dem Revolver in der Hand den Weg ins Freie bahnen. Bürgermeister, ehemalige Landtagsabgeordnete und sogar Oberlehrer entpuppten sich als ganz gewöhnliche Raufer und Krawallmacher. Die Fabrikanten kamen persönlich in die Versammlungen des Genossen Nitschmann und brachten eine Herde bezahlter Subjekte, sogenannte deutschnationale Arbeiter, mit, die dort stänkern mussten.

In der Wiener Arbeiter Zeitung vom 17. Oktober 1911 wurde weiter über die unzulässige Wahlbeeinflussung berichtet und die Justiz angeklagt. So hieß es, dass den Arbeitern das Geld in den Raiffeisenkassen wegen der den Sozialdemokraten geleisteten Wahlhilfe gekündigt wurde. Anderen wurde von den Gemeindevorstehern die Kündigung ihrer Wohnungen angedroht, falls sie sozialdemokratisch wählen würden. Alle diese Fälle gelangten an die Staatsanwaltschaft in Neutitschein zur Anzeige. Aber in allen diesen Fällen wurde schon die Voruntersuchung niedergeschlagen.

So wundert es nicht, dass sich der Sozialdemokrat Heinrich Nitschmann seinem Gegner mit 33 zu 66 Prozent der Stimmen geschlagen geben musste.

Doch wer war dieser aufrechte Sozialdemokrat Heinrich Nitschmann (1874-1958)?

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