Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten möchte, muss die Vergangenheit kennen
Böhmen liegt nicht am Meer. Eine Ausstellung unter diesem Titel erinnerte in Pirna bei #akubiz an die Lebensgeschichten der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Anlässlich des Abschlusses der Ausstellung in Pirna hielt der Historiker Dr. Thomas Oellermann einen spannenden Vortrag zu den sudetendeutschen sozialdemokratischen Fallschirmspringern, die 1944 über dem Sudetenland absprangen, um ihre Heimat zu retten. Einer davon, Albert Exler, wir in der Ausstellung vorgestellt.
Albert Exler wurde im mährischen Weigensldorf geboren. Er schloss sich der Sozialistischen Jugend an, dem Jugendverband der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Später gehörte er auch der Partei an. Nach einer gewissen Zeit, die er als Textilarbeiter tätig war, begann er als Redakteur für Zeitungen eben jener Sozialdemokratischen Partei zu schreiben. Diese Tätigkeit brachte ihn beim Münchener Abkommen und dem Anschluss der Sudetengebiete an das Dritte Reich in große Gefahr. Exler floh nach Prag und gelangte von hier aus nach Finnland. Beim Angriff der Sowjetunion 1940 schloss er sich der finnischen Armee an und verteidigte sein Aufnahmeland mit der Waffe in der Hand. Die Situation für Flüchtlinge in Finnland verschlechterte sich zusehends. Mit anderen Sudetendeutschen ging er nach Schweden. Exler zog es dann weiter nach England, wo er sich dem Führer der Exilorganisation Wenzel Jaksch unterstellte. Dieser schickte Exler und zwei weitere Sudetendeutsche 1944 mit einem Auftrag als Fallschirmspringer ins Sudetenland. Sie sollten Widerstandsaktivitäten unterstützen, um so Argumenten für eine komplette Vertreibung der Sudetendeutschen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Exler war der einzige, der diese Mission überlebte. Nach dem Krieg arbeitete er hauptamtlich für die SPD.
Die Ausstellung war vom 28.4. bis 27.5. in Pirna zu sehen.