
Am Gedenkort Kaunitz-Kolleg/Kounicovy koleje: Bundesvorsitzende Christa Naaß (2.v.re.), der vertriebenenpolitische Sprecher der BayernSPD Volkmar Halbleib (2.v.l.), Bundesgeschäftsführer Rainer Pasta (re.) sowie Monika Feist (Mitte) und Bernd Klippel (li.)
Gemeinsam aller Opfer gedenken
Auch dieses Jahr fand im Rahmen des Festivals „Meeting Brno“ ein Gedenkakt am Kaunitz-Kolleg/Kounicovy koleje statt. Errichtet wurde es als Studentenwohnheim in den Jahren 1922 und 1923. Während der Protektoratszeit war es von 1939 bis 1945 ein Internierungs- und Straflager der Gestapo. Bis zum April 1945 durchliefen Zehntausende von Gefangenen das Kaunitz-Wohnheim bevor sie in andere deutsche Konzentrationslager abtransportiert wurden. Hunderte Personen, Widerstandskämpfer und tschechische Patrioten starben hier einen gewaltsamen Tod. Doch auch nach Kriegsende diente das Gebäude weiter als Lager. Nun waren es Deutsche, die hier litten oder gar zu Tode. Auch an die unschuldigen deutschen Opfer nach Ende des Weltkrieges sollte mit diesem Akt erinnert werden.
Im Jahre 1976 wurde dort ein Denkmal im Innenhof enthüllt, welches an den „Sieg über den Faschismus" erinnerte. Seit 1978 ist dieser Ort ein „Nationales Kulturdenkmal“.
Zum 80. Jahrestag des Brünner Versöhnungsmarsches regten die Organisatoren des Meeting Brno an, „dass es langsam an der Zeit wäre, hier nicht nur der Opfer des Faschismus zu gedenken, sondern an alle Opfer von Faschismus, Krieg und Vertreibung zu erinnern“ und dass es an den Tschechen läge, das hier zu ändern.
„Geschichte entlügen"
Der vertriebenenpolitische Sprecher der Bayern-SPD-Landtagsfraktion Volkmar Halbleib meinte dazu: „Die Geschichte lässt sich nicht teilen. Wir müssen auf beiden Seiten – und das hat auch schon stattgefunden – die Geschichte entlügen und uns der Wahrheit stellen“. Halbleib erläuterte weiter, warum es wichtig sei, sowohl der deutschen Opfer als auch der Opfer der Nazis zu gedenken.
Am ehemaligen Kaunitz-Wohnheim in Brünn legten am Sonntag, zum Abschluss des Versöhnungsmarsch-Wochenendes, Deutsche und Tschechen Kränze und Blumen an der Gedenkstätte nieder.