
Bundesvorsitzende Christa Naaß (2.v.re.) begrüßte eine Reihe von Besuchern zur Ausstellungseröffnung am Pfingst-Samstag in der Donau-Arena in Regensburg. Mit dabei Libor Rouček MdEP a.D. (5.v.li.) und Dr. Thomas Oellermann (3.v.li.). Die Veranstaltung begleiteten die Musiker Peter Heidler und Herbert Schmid (li).
Georg Hans Trapp: Illustrator aus tiefster Überzeugung
Die Seliger-Gemeinde präsentierte frühe Werke des Zeichners von Flossenbürg
Bundesvorsitzende Christa Naaß konnte zur Ausstellungseröffnung am Pfingstsamstag in der Donau-Arena in Regensburg eine Reihe von interessierten Besuchern begrüßen. Darunter die ehemaligen Europa-Abgeordneten Libor Rouček und Milan Horaček sowie den vertriebenenpolitischen Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion Volkmar Halbleib. Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Peter Heidler und Herbert Schmid.
Mit dreizehn ausgewählten Beispielen präsentierte die Seliger-Gemeinde in einer kleinen Ausstellung einige der prägnantesten Arbeiten der sudetendeutschen Malers Georg Hans Trapps aus der Zwischenkriegszeit 1920/30. Christa Naaß verwies auf die eindrucksvollen Drucke, die verschiedene Themenblöcke darstellten: den Schrecken des Ersten Weltkrieges, gewerkschaftliche Forderungen zum 1. Mai, die Bedrohung durch den Nationalsozialismus, Wahlkampf-Aufrufe und Motive zum Zeitgeschehen. „Zeitungen und Zeitschriften waren neben dem Rundfunk das bedeutendste Medium der Zwischenkriegszeit. Sie informierten und versorgten die Anhänger von Gewerkschaften und Parteien mit programmatischen Texten. Während die Druckerzeugnisse der 20er Jahren vor allem Textseiten waren, setzte man in den 30ern vermehrt auf Fotos und illustrative Elemente“, so Naaß. Georg Hans Trapp war der Illustrator der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Er schuf für die verschiedenen Zeitungen, für die Organe sozialdemokratischer Verbände und für Buchtitel zahlreiche Illustrationen, die immer auch einen politischen Anspruch verkörperten, so Naaß weiter. „Georg Hans Trapp illustrierte aus tiefster Überzeugung. Er stammte aus einfachsten Verhältnissen und musste einen steinigen Weg gehen, um letztendlich von seiner Kunst leben zu können“, beendete die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde und übergab an den Historiker Dr.Thomas Oellermann.
„Georg Hans Trapp ist heute nahezu in Vergessenheit geraten. 80 Jahre nach Kriegsende wollen wir auf das Werk dieses politischen Künstlers erinnern und stellen sein Frühwerk aus der Tschechoslowakei in den Vordergrund“, so Oellermann in seiner Einführung bevor er auf die Person Georg Hans Trapp einging:
Georg Hans Trapp wurde am 1. Dezember 1900 in Tischau bei Teplitz-Schönau in einfachen Verhältnissen geboren. Ursprünglich erlernte er den Beruf Glasgraveurs in der Glashütte Inwald. In den 1920er Jahren absolvierte er ein Studium an der Berufsfachschule für Keramik und Kunstgewerbe in Teplitz-Schönau, an der Akademie für Malerei in Rom und für Grafik bei Victor Slama in Wien. In den 1930er Jahren arbeitete er als Zeichner für die Teplitzer sozialdemokratische Zeitung „Freiheit“ und andere sozialdemokratische Zeitschriften und Publikationen in der Tschechoslowakischen Republik. Er war Schöpfer einer Reihe von antifaschistischen Plakaten und Fotomontagen die von den Massen verstanden wurden und die zugleich hohen künstlerischen Ansprüchen gerecht wurden. Durch seine Arbeit und politische Aussage war der Künstler Georg H. Trapp Ziel nationalsozialistischer Verfolgung.
Durch seine Werke gegen den Nationalsozialismus setzte er sich großer Gefahr aus. Nach dem Münchener Abkommen emigrierte Trapp von daher mit seiner Frau nach Norwegen und engagierte sich in einem Spielwarenkollektiv, das sudetendeutsche Flüchtlinge dort gegründet hatten. Beim Einmarsch der Wehrmacht 1940 wurden die Eheleute Trapp inhaftiert und nach Deutschland verschleppt. Georg Hans Trapp kam ins KZ Flossenbürg, wo er das Leiden der nationalsozialistischen Unterdrückung erlebte. Er überlebte die Schrecken und wurde während des Todesmarsches nach Dachau befreit. Seine Frau Hanne überlebte das KZ Ravensbrück und andere Frauenlager. Sofort nach der Befreiung fertigte Georg Hans Trapp Skizzen an, die das Leid der Häftlinge darstellen. 1945 kehrten beide kurz in die Tschechoslowakei zurück, übersiedelten aber bald nach Gränna in Schweden, wo Trapp seine Arbeit fortsetzte. 1971 veröffentlichte die Seliger-Gemeinde diese Arbeiten unter dem Titel „Antlitz der Opfer“. Als Ausstellung wurden die Zeichnungen aus dem KZ Flossenbürg 1991 erstmals in der Tschechoslowakei in Karlsbad gezeigt.
Am 7. Dezember 1968 wurde Georg Hans Trapp in Bonn der erste Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis der Seliger-Gemeinde verliehen. Sein Lebenswerk galt der Wahrung des Vermächtnisses der Sudetendeutschen Arbeiterbewegung. Die Illustrationen auf den Mai-Festschriften der DSAP oder den Jahrbüchern der Seliger-Gemeinde sind unvergessen.
Georg Hans Trapp starb am 17. September 1977 in Gränna/Schweden.