Dr. Gustav Herbig (1888-1965)
Diplomat und Politiker
Gustav Herbig wurde am 3. August 1888 in Buschullersdorf in Böhmen geboren.
Nach dem Abitur nahm Herbig ein Studium der Philologie und Sozialwissenschaften an den Universitäten in Prag und Paris auf, das er mit der Promotion zum Dr. phil. beendete. Herwig gab u.a. Ferienkurse an der Universität Madrid und arbeitete als Lehrer an verschiedenen Volks- und Bürgerschulen im Schulbezirk Friedland und Reichenberg.
Herbig wurde 1919 Mitglied der DSAP und wird später zum gefragten Veranstaltungsredner im Böhmerwald.
Er nahm ab 1914 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und geriet ein Jahr später in russische Gefangenschaft. Anschließend war er Lehrer an einem Gymnasium (unter anderem der spanischen Sprache) und zeitweise Direktor an Handelsakademien in Budweis und Prag.
Im März 1939 wird er aus politischen Gründen und auf Betreiben der deutschen Besatzungsbehörden als Direktor abgesetzt. Herbig stellt im April 1939 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP. Der Antrag wird auf Beschluss des NSDAP-Kreisgerichts in Prag am 10. Februar 1941 abgelehnt. Begründet wird die Ablehnung mit Herbigs ehemaliger Zugehörigkeit zu der Freimaurerloge Lessing zu den drei Ringen, zur Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, zum Sozialdemokratischen Lehrerverband sowie mit der »nicht rein arischen Abstammung seiner Ehefrau« Elfa geb. Metzett.
Herbig wird in Prag 1940 mehrfach von der Gestapo verhört, seine Wohnung wird durchsucht. Ihm wird vorgeworfen an illegalen Kurierdiensten der SPD beteiligt zu sein. Außerdem wird Herbig beschuldigt, zwei seiner Bekannten - den untergetauchten SPD-Politiker Waldemar Freiherr von Knoeringen sowie einen aus Österreich geflüchteten J. Moser - illegal beherbergt zu haben. Von Knoeringen floh 1933 nach Österreich, wo er ab Herbst als Grenzsekretär der Sopade (Exil-SPD in der Tschechoslowakei) für Südbayern arbeitete; er trat damals auch ‚Neu Beginnen‘ bei, einer von SPD- und KPD-Mitgliedern im Exil gegründeten Widerstandsgruppe. In dieser spielte er in den folgenden Jahren eine führende Rolle. 1934 floh er in die Tschechoslowakei, wo er die Arbeit des Grenzsekretariats fortsetzte und Stützpunkte in Südbayern mit Informationsmaterial versorgte. Berichte aus Deutschland ließ er in den „Deutschland-Berichten der Sopade“ veröffentlichen.
Herbig wird am 1. November 1942 aus politischen Gründen als Lehrer der deutschen Handelsakademie in Prag amtsenthoben und suspendiert. Im Frühjahr 1943 erfolgt seine Versetzung in den Ruhestand.
Herbig wird am 16. Oktober 1944 in das Lager Postelberg (Postoloprty) gebracht, wo er Zwangsarbeit verrichten muss. Dort wird er am 28. April 1945 durch alliierte Truppen befreit. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er im Ausschuss zum Schutz der antifaschistischen Sudetendeutschen in Prag mit und führte 1948 eine „Antifa-Kanzlei“ in Prag.
Von 1946 bis zu seiner Flucht nach Deutschland 1948 gehörte Herbig als Abgeordneter des Böhmerwaldkreises dem ersten gewählten Parlament in der Tschechoslowakei an.
Herbig siedelte 1948 als Heimatvertriebener von Prag nach Westdeutschland über und ließ sich in Baden nieder. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 wurde er über die Landesliste Baden in den Deutschen Bundestag gewählt. Nach seiner Ernennung zum Deutschen Gesandten legte er am 1. Dezember 1951 sein Bundestagsmandat nieder.
Von 1951 bis 1954 war Prof. Dr. Gustav Herbig deutscher Gesandter in Uruguay. 1954 heiratete er in zweiter Ehe Gertrud Selma Meta geb. Baumann.
Gustav Herbig verstarb am 9.10.1965 in Bad Kissingen.