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Abendschule 24.06.2025

Veröffentlicht am 19.05.2026 in Allgemein

Führende deutsche Sozialdemokraten aus Brünn

Bei der Abendschule zur Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie am 12. Mai 2025 stellte Dr. Thomas Oellermann eine Reihe bedeutender deutscher Sozialdemokraten aus Brünn vor. Grundlage des Vortrags war seine umfangreiche biographische Sammlung, aus der auch die Ausstellung „Das rote Brünn – Lebensbilder Brünner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten“ hervorging. Die Ausstellung soll beim Sudetendeutschen Tag 2026 in Brünn gezeigt werden und erschien bereits als Broschüre in der Schriftenreihe der Seliger-Gemeinde.

Im Mittelpunkt standen sowohl bekannte Persönlichkeiten der sudetendeutschen Arbeiterbewegung als auch weniger bekannte Akteure, insbesondere jene, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Brünn verblieben. Dass vergleichsweise viele sudetendeutsche Sozialdemokraten in ihrer Heimatstadt bleiben konnten, bezeichnete Oellermann als Besonderheit. Anders als in Prag oder den nordböhmischen Zentren habe in Brünn eine durchgehende Zweisprachigkeit bestanden, die innerhalb der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) einzigartig gewesen sei. Neben dem sogenannten Antifa-Status habe dies vielen den Verbleib erleichtert.

Zuallerst genannt wurde Dr. Ludwig Czech, der als führender deutscher Sozialdemokrat Brünns galt. Als Vorsitzender der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bekannte er sich zur tschechoslowakischen Republik und führte die Partei 1929 in die Regierung. Als Minister prägte er die Sozialpolitik der Krisenjahre. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth, die sich insbesondere in der sozialdemokratischen Frauen- und Kinderarbeit engagierte, wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ludwig Czech starb dort, Elisabeth überlebte Holocaust und Krieg.

Siegfried Taub gehörte zu den wichtigsten Funktionären der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Der langjährige Generalsekretär der DSAP engagierte sich besonders im Krankenkassenwesen und in der Flüchtlingshilfe für Gegner des Nationalsozialismus. Friedrich Stampfer wiederum machte als Journalist und SPD-Politiker Karriere in Deutschland und arbeitete nach 1933 im Prager Exil am „Neuen Vorwärts“ mit. Leo Zahel senior engagierte sich zunächst in der Sozialistischen Jugend und später nach seiner Vertreibung in Österreich in der SPÖ und der Seliger-Gemeinde.

Daneben stellte Oellermann weitere, heute weniger bekannte Persönlichkeiten vor. Fritz Tejessy floh vor den Nationalsozialisten und wurde nach dem Krieg Leiter des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen. Der jüdische Lehrer und Journalist Friedrich Tramer überlebte Theresienstadt und blieb nach 1945 in Brünn. Otto Katschinka wirkte jahrzehntelang als sozialdemokratischer Kommunalpolitiker und stellvertretender Bürgermeister der Stadt. Heinrich Groag arbeitete als Anwalt unter anderem für Přemysl Pitter und Karel Čapek.

Auch an tragische Schicksale wurde erinnert: Der junge Sozialdemokrat Walter Rosenzweig wurde 1935 von einem Anhänger der Sudetendeutschen Partei erschossen. Josef Schramek wiederum engagierte sich in der Flüchtlingshilfe und blieb nach dem Krieg in Brünn.

Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, welche Bedeutung Brünn für die deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei besaß. Viele der vorgestellten Persönlichkeiten verbanden politisches Engagement, demokratischen Widerstand und soziale Verantwortung – oft unter schwierigsten historischen Bedingungen.

 

Die Abendschule mit Thomas Oellermann zum Thema „Führende deutsche Sozialdemokraten aus Brünn“ kann jederzeit als Podcast nachgehört werden.

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