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Sudetendeutscher Tag 2026

Veröffentlicht am 31.05.2026 in Allgemein

Brünner Versöhnungsmarsch 2026 – Erinnerung, Begegnung und europäische Hoffnung

Es gibt Veranstaltungen, die man besucht – und es gibt jene, die einen noch lange begleiten. Der Brünner Versöhnungsmarsch 2026 gehörte zweifellos zur zweiten Kategorie. In einer Zeit, in der Nationalismus, politische Zuspitzung und gesellschaftliche Spaltung in vielen Teilen Europas wieder lauter werden, wirkte dieser gemeinsame Weg durch Brünn wie ein bewusstes Gegenbild: ruhig, würdevoll und getragen von dem Willen, Geschichte nicht gegeneinander, sondern miteinander zu erinnern.

Rund 2.000 Deutsche und Tschechen folgten gemeinsam der historischen Route, die vom Massengrab in Pohrlitz (Pohořelice) über 32 Kilometer in die mährische Hauptstadt Brünn (Brno) führte. Die Seliger-Gemeinde beteiligte sich bereits zum 11. Mal an diesem Gedenken. Der Friedensmarsch erinnert an den sogenannten „Brünner Todesmarsch“ vom Mai 1945, bei dem tausende deutschsprachige Bewohnerinnen und Bewohner Brünns unter unmenschlichen Bedingungen aus der Stadt getrieben wurden. Lange war dieses Kapitel der Geschichte tabuisiert oder ausschließlich national interpretiert worden. Heute steht der Marsch zunehmend für einen gemeinsamen europäischen Erinnerungsprozess, der weder die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert noch das Leid der Vertreibung verschweigt.

Besonders eindrucksvoll war dabei die Selbstverständlichkeit, mit der junge Menschen an der Veranstaltung teilnahmen. Viele hörten aufmerksam zu, führten Gespräche über Familiengeschichten, europäische Identität und die Frage, wie Erinnerung heute aussehen kann. Genau darin lag vielleicht die größte Stärke dieses Tages: Der Friedensmarsch war keine rückwärtsgewandte Gedenkveranstaltung, sondern eine sehr gegenwärtige europäische Erfahrung.

Auch die Teilnahme zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft verlieh dem Marsch zusätzliches Gewicht. Mitglieder der Seliger-Gemeinde, tschechische Initiativen, Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie Gäste aus Deutschland, Österreich und Tschechien machten deutlich, dass Verständigung inzwischen von vielen Seiten getragen wird. Noch die Generation der Eltern und Großeltern hätte sich einen solchen gemeinsamen Weg durch Brünn kaum vorstellen können.

Der Friedensmarsch 2026 zeigte eindrucksvoll, dass Erinnerung dann ihre stärkste Kraft entfaltet, wenn sie Menschen zusammenführt statt trennt. Vielleicht liegt genau darin seine eigentliche Bedeutung: nicht nur im Blick zurück, sondern in der gemeinsamen Verantwortung für Europas demokratische Zukunft.

Die Seliger-Gemeinde beteiligte sich bereits zum 11. Mal an diesem wichtigen Gedenken. Besonders bewegend: die vielen jungen Menschen, die zeigten, dass Erinnerung nicht trennt, sondern verbinden kann. Europas Zukunft braucht Dialog, Menschlichkeit und den Mut zur gemeinsamen Erinnerung.

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