
Fünf Facetten sozialdemokratischer Spanienarbeit
Die Unterstützung der Spanischen Republik durch die sudetendeutsche Sozialdemokratie beschränkte sich nicht auf einzelne Freiwillige, die selbst in den Bürgerkrieg zogen. Die Verbindungen waren deutlich breiter. Sie reichten von politischen Stellungnahmen und journalistischer Berichterstattung über Geld- und Sachspenden bis hin zu Reisen in das republikanische Spanien.
Bereits der Auftakt unserer Sommerserie hat gezeigt, dass die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, die DSAP, den Spanischen Bürgerkrieg als einen europäischen Kampf zwischen Demokratie und Faschismus verstand. Fünf Themenfelder sollen deshalb in den kommenden Beiträgen näher betrachtet werden.
1. Politische und publizistische Solidarität
Die DSAP verstand den Spanischen Bürgerkrieg als europäischen Kampf zwischen Demokratie und Faschismus. Ihre Zeitungen berichteten intensiv über den Krieg, über die Unterstützung Francos durch Hitlerdeutschland und das faschistische Italien sowie über die Lage in den republikanischen Gebieten. Artikel, Broschüren und persönliche Berichte sollten informieren, mobilisieren und zugleich vor der wachsenden nationalsozialistischen Gefahr in der Tschechoslowakei warnen.
2. Organisierte Hilfe für die Spanische Republik
Zahlreiche sudetendeutsche Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten engagierten sich in der „Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens“. Besonders aktiv waren Mitglieder der Sozialistischen Jugend. Sie sammelten Geld und Sachspenden, verkauften ein eigenes Spanien-Abzeichen und unterstützten baskische Flüchtlinge in Südfrankreich. Für deutschsprachige Freiwillige in Spanien wurden Zigaretten, Weihnachtsgeschenke und weitere Hilfssendungen gesammelt.
3. Reisen in das republikanische Spanien
Mehrere sudetendeutsche Sozialdemokraten verschafften sich persönlich einen Eindruck von der Lage. Ernst Paul bereiste 1937 mit einer tschechoslowakischen Journalistendelegation das republikanische Spanien und berichtete anschließend über seine Erlebnisse. Auch Karl Kern und Gertrud Rybak reisten während des Bürgerkriegs nach Spanien. Ihre Beobachtungen schufen eine unmittelbare Verbindung zwischen der bedrohten Republik und der sozialdemokratischen Öffentlichkeit in der Tschechoslowakei.
4. Sudetendeutsche Spanienkämpfer
Einzelne sudetendeutsche Sozialdemokraten gingen selbst nach Spanien, um die Republik mit der Waffe zu verteidigen. Der bislang am ausführlichsten belegte Fall ist Rudolf Hable aus Bensen. Daneben sind inzwischen weitere Namen aus der zeitgenössischen DSAP-Presse und aus Verlustmeldungen bekannt. Ihre Herkunft, politische Tätigkeit, militärischen Einheiten und weiteren Lebenswege sollen in der Serie näher untersucht werden.
5. Spanien als Warnung für die Tschechoslowakei
Seit Mitte 1938 wurde Spanien für die DSAP immer stärker zum warnenden Spiegel der eigenen Lage. Die Sozialdemokraten sahen Parallelen zwischen der faschistischen Einmischung in Spanien und der wachsenden Bedrohung der Tschechoslowakei. In beiden Fällen wurden innere Konflikte genutzt, rechtmäßige Regierungen geschwächt und Demokratien international isoliert. Die Aufteilung von Spenden zwischen Spanienhilfe und Staatsverteidigung machte diese doppelte Gefahr sichtbar. Spanien und die Tschechoslowakei erschienen damit als zwei Schauplätze derselben europäischen Auseinandersetzung. Die Hilfe für Spanien war deshalb zugleich ein Beitrag zur Verteidigung der eigenen Republik.
Solidarität und zeitgebundene Sprache
Bei aller Anerkennung des antifaschistischen Engagements darf die zeitgenössische Berichterstattung nicht unkritisch übernommen werden. Auch in sozialdemokratischen Zeitungen finden sich rassistische Begriffe und stereotype Darstellungen, besonders gegenüber den von Franco eingesetzten nordafrikanischen Kolonialsoldaten. Diese Sprache widerspricht nicht der grundsätzlichen Solidarität mit der Republik, zeigt aber, dass auch die demokratische Arbeiterbewegung von den Vorurteilen ihrer Zeit nicht frei war.
Die Sommerserie wird deshalb beides in den Blick nehmen: das bemerkenswerte Engagement der sudetendeutschen Sozialdemokratie für die Spanische Republik und die Widersprüche, die in den zeitgenössischen Quellen sichtbar werden.