
1. Politische und publizistische Solidarität
1.1. Politische Solidarität
Der Spanische Bürgerkrieg wurde von der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei nicht als ein weit entferntes Ereignis betrachtet. Der Kampf der Spanischen Republik gegen die Truppen Francos erschien vielmehr als Teil der europäischen Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Faschismus. Entsprechend groß war die politische und publizistische Solidarität, die von der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, ihren Gliederungen und besonders von der Sozialistischen Jugend getragen wurde.
Eine wichtige organisatorische Plattform bildete die „Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens“. Sie veranstaltete Kundgebungen, Vortragsabende, Kulturveranstaltungen und öffentliche Hilfsaktionen. Dabei ging es nicht nur darum, Mitgefühl mit der spanischen Bevölkerung auszudrücken. Die Veranstaltungen sollten über die Ursachen und den Verlauf des Bürgerkriegs informieren, der franquistischen und nationalsozialistischen Propaganda widersprechen und die Bevölkerung zu konkreter Unterstützung bewegen.
Die Sozialistische Jugend als Trägerin der Solidaritätsarbeit
Besonders aktiv war die Sozialistische Jugend. Sie griff das Thema Spanien in ihren Gruppen, Schulungslagern, Ferienlagern und öffentlichen Veranstaltungen auf und verband politische Bildung mit praktischer Solidarität. Spanien wurde dabei als Beispiel dafür verstanden, wohin der Faschismus führte, wenn ihm nicht frühzeitig und entschlossen entgegengetreten wurde.
Am Jahrestag des Beginns des Bürgerkriegs veranstalteten die SJ-Kreise Reichenberg und Prag im Juli 1937 im Freiheitslager in Johannisberg eine Solidaritätskundgebung. Eingeladen waren die Jugendgruppen und Genossen aus der gesamten Umgebung. Vertreter der Sozialistischen Jugend sprachen über den Kampf der spanischen Volksfront und die Bedeutung der Internationalen Brigaden. Im Verlauf der Veranstaltung wurden auch Briefe von Genossen vorgelesen, die als Freiwillige in Spanien kämpften.
Die Kundgebung begann mit dem Lied „Brüder, zur Sonne“ und endete mit der „Internationale“. Der Prager Vertrauensmann Stecher erinnerte die Anwesenden daran, dass Solidaritätskundgebungen allein nicht ausreichten. Den Kämpfern in Spanien helfe man am besten, wenn man zugleich den Faschismus im eigenen Land bekämpfe. Damit wurde die Unterstützung der Spanischen Republik unmittelbar mit der politischen Aufgabe der Sozialistischen Jugend in der Tschechoslowakei verbunden.
Auch bei den großen sozialdemokratischen Arbeitertagen spielte Spanien eine wichtige Rolle. Im August 1937 kamen bei einer Spanienfeier in Reichenberg mehrere hundert Menschen zusammen. Karl Kern berichtete über den Mut und die Entschlossenheit der spanischen Freiheitskämpfer. Lieder, Gedichte und Vorführungen der sozialdemokratischen Arbeiterorganisationen ergänzten die Kundgebung. Am folgenden Tag fand in Gablonz eine weitere große Spanienkundgebung statt, bei der Karl Kern erneut sprach.
Internationale Verbindungen der Sozialistischen Jugend
Die Spanienarbeit war zugleich Ausdruck eines internationalen sozialistischen Jugendnetzwerks. Bei der Prager Kreiskonferenz der Sozialistischen Jugend im Februar 1938 sprach Alfredo Cabello, Sekretär der Vereinigten Sozialistischen Jugend Spaniens. Er dankte dem Sozialistischen Jugendverband ausdrücklich für seine Hilfsaktion zugunsten des demokratischen Spaniens.
Cabello berichtete über die Bedeutung des spanischen Kampfes gegen den Faschismus und verwies auf die Stärke der spanischen Jugendbewegung. Die Vereinigte Sozialistische Jugend Spaniens zählte nach seinen Angaben rund 600.000 Mitglieder. Sein Auftritt machte die internationale Solidarität unmittelbar erfahrbar: Die deutschsprachigen Sozialdemokraten hörten nicht nur Berichte über Spanien, sondern begegneten einem führenden Vertreter der spanischen Jugendbewegung.
Auch in den Schulungslagern blieb der Spanische Bürgerkrieg ein zentrales Thema. Im August 1938 berichtete Laštovička, Kommandant einer internationalen Batterie in Spanien, in einem Schulungslager der Prager Sozialistischen Jugend über den politischen und militärischen Verlauf des Krieges. Die Jugendlichen erhielten dadurch Informationen aus erster Hand und konnten die Erfahrungen aus Spanien mit ihrer eigenen politischen Arbeit verbinden.
Politische Einflussnahme
Die Gesellschaft wandte sich auch unmittelbar an die tschechoslowakische Regierung. Im Juni 1938 richtete sie einen offenen Brief an Ministerpräsident Milan Hodža. Darin protestierte sie gegen mögliche Beziehungen der tschechoslowakischen Regierung zur franquistischen Aufstandsführung.
Die Gesellschaft warnte davor, dass eine Anerkennung oder politische Aufwertung Francos als Billigung eines militärischen Aufstands gegen eine demokratisch gewählte Regierung verstanden werden könne. Sie forderte ein Ende der Bombardierung der Zivilbevölkerung und die tatsächliche Beendigung der ausländischen Intervention.
Zugleich stellte der Brief eine direkte Verbindung zwischen Spanien und der Bedrohung der Tschechoslowakei her. Ein Land, dem seine Gegner bereits mit dem Schicksal eines „zweiten Spanien“ drohten, müsse sich gegen die faschistische Interventionspolitik wenden.
Damit erhielt die Spanien-Solidarität eine unmittelbare innen- und außenpolitische Bedeutung. Die Unterstützung der Spanischen Republik war zugleich ein Bekenntnis zur Verteidigung der demokratischen Tschechoslowakei.
Die Sozialistische Jugend gehörte zu den aktivsten deutschsprachigen Trägerinnen dieser politischen und publizistischen Arbeit. Sie organisierte Kundgebungen, verbreitete Broschüren, gestaltete Kulturabende, pflegte internationale Kontakte und vermittelte den Spanischen Bürgerkrieg als Teil des eigenen antifaschistischen Kampfes.