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Ausstellung "Böhmen liegt nicht am Meer"

Veröffentlicht am 17.09.2026 in Allgemein

„Böhmen liegt nicht am Meer“ – Ausstellung in Bonn eröffnet

Mit großem Interesse ist am 15. September im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn die Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer – Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokraten“ eröffnet worden. Gezeigt wird sie bis zum 12. Oktober in der Stresemann-Galerie des Bildungszentrums – in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Seliger-Gemeinde.

Begrüßt wurden die Gäste von Daniel Weber, Leiter der Politischen Bildung am Gustav-Stresemann-Institut, und Cordula Benfarji, Referentin in der Abteilung Politische Bildung. Beide stehen für einen Bereich des Hauses, der sich ausdrücklich der Demokratie, dem Frieden und der internationalen Verständigung verpflichtet sieht. Das Gustav-Stresemann-Institut, dessen Geschichte bis 1951 zurückreicht, zählt heute zu den etablierten Einrichtungen der politischen Bildung in Deutschland. Namensgeber ist der frühere Außenminister und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann, dessen Einsatz für Verständigung und friedliche Zusammenarbeit bis heute das Leitbild des Instituts prägt.

Präsentiert wurde die Ausstellung von Dr. Thomas Oellermann und dem Ausstellungsbeauftragten der Seliger-Gemeinde Rainer Pasta. Beide gehörten zum Autorenteam der Ausstellung und konnten deshalb nicht nur die historischen Inhalte, sondern auch die Entstehung des Projekts aus erster Hand erläutern. Unter den Gästen waren zahlreiche interessierte Besucherinnen und Besucher, Mitarbeitende des Gustav-Stresemann-Instituts sowie eine Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Einführung von Thomas Oellermann. Der Historiker zeichnete den Weg der sudetendeutschen Sozialdemokratie von ihren Anfängen bis zur heutigen Seliger-Gemeinde nach. Immer wieder stellte er dabei den Bezug zu den Persönlichkeiten her, deren Lebenswege in der Ausstellung erzählt werden.

Zu ihnen gehören etwa Alois Ullmann, der wegen seines Engagements im Arbeitersport verfolgt und in das KZ Dachau verschleppt wurde, Josef Seliger, der für ein demokratisches Zusammenleben der verschiedenen Nationalitäten in Böhmen und Mähren eintrat, und Albert Exler, dessen Lebensweg auf besondere Weise auch nach Bonn führt. Exler gehörte bereits als Jugendlicher der sozialistischen Bewegung und später der DSAP an, floh vor den Nationalsozialisten und wurde 1944 im Auftrag des sudetendeutschen Exils als Fallschirmspringer über Nordböhmen abgesetzt. Nach dem Krieg arbeitete er für die SPD und war von 1951 bis 1973 Redakteur des sozialdemokratischen Pressedienstes in Bonn. Damit erhielt eine der in der Ausstellung vorgestellten Biografien am Ausstellungsort selbst einen unmittelbaren Bezug.

Oellermann konnte dabei auch auf seine eigene Forschung zurückgreifen. In seinem Gedenkbuch „Es ging um alles“ hat er die Lebensgeschichten von rund 1.200 sudetendeutschen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zusammengetragen, die sich unter schwierigen Bedingungen für Freiheit und Demokratie einsetzten.

An die Einführung schloss sich eine lebhafte Fragerunde an. Das große Interesse zeigte, dass die Ausstellung ein Kapitel der sudetendeutschen Geschichte sichtbar macht, das bis heute vielen wenig bekannt ist: die starke demokratische und sozialdemokratische Tradition jener Menschen, die sich Nationalismus und Nationalsozialismus entgegenstellten.

Dass diese Ausstellung gerade im Gustav-Stresemann-Institut gezeigt wird, passt deshalb in besonderer Weise. Das GSI versteht politische Bildung als Beitrag zu Demokratie, Frieden und Verständigung und arbeitet seit Jahrzehnten mit Partnern aus Politik, Gesellschaft und Bildungsarbeit zusammen.

Die Ausstellung ist noch bis 12. Oktober 2026 täglich von 9 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt im Gustav-Stresemann-Institut zu sehen. Am 8. Oktober findet zudem eine Führung in Verbindung mit einem Besuch des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.

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