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Sommerreise 2026 - Vor 90 Jahren: Spanischer Bürgerkrieg

Veröffentlicht am 19.09.2026 in Allgemein

Das Treffen der Jugendinternationalen in Valencia

Im Sommer 1937 wurde Valencia zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Annäherungsversuchs innerhalb der internationalen Arbeiterjugend. Vertreter der Sozialistischen Jugendinternationale und der Kommunistischen Jugendinternationale berieten über eine stärkere Zusammenarbeit bei der Unterstützung der Spanischen Republik. An der fünfköpfigen sozialistischen Delegation nahm auch Karl Kern von der sudetendeutschen Sozialistischen Jugend teil.

Die Gespräche standen unter schwierigen politischen Vorzeichen. Die Republik kämpfte gegen die von Deutschland und Italien unterstützten Truppen Francos. Zugleich war das republikanische Lager tief gespalten. Erst wenige Wochen zuvor hatten die Maiereignisse in Barcelona die Gegensätze zwischen Kommunisten, regierungsnahen Kräften, Anarchisten und der linkssozialistischen POUM offen hervortreten lassen.

Die sozialistische Delegation wurde von Erich Ollenhauer geleitet. Ihr gehörten außerdem Karl Kern, Torsten Nilsson aus Schweden, Ernst Pek aus Frankreich und Wim Thomassen aus den Niederlanden an. Auf kommunistischer Seite nahm Raymond Guyot teil. Eine zentrale Rolle spielte Santiago Carrillo, Generalsekretär der Vereinigten Sozialistischen Jugend Spaniens. Diese war 1936 durch den Zusammenschluss der sozialistischen und kommunistischen Jugend entstanden und galt zunächst als mögliches Vorbild für eine weitergehende Zusammenarbeit. Tatsächlich geriet sie jedoch zunehmend unter kommunistischen Einfluss.

Im Mittelpunkt der Beratungen stand die praktische Hilfe für die Republik. Seit Beginn des Bürgerkriegs hatten sozialistische Jugendverbände Geld, Lebensmittel, Medikamente und Kleidung gesammelt, Kundgebungen organisiert und Hilfsaktionen unterstützt. In Valencia sollte geprüft werden, ob Sozialisten und Kommunisten diese Arbeit stärker koordinieren konnten. Der Kampf gegen den Faschismus, so die gemeinsame Botschaft, müsse trotz aller politischen Gegensätze Vorrang erhalten.

Bemerkenswert ist Kerns Hinweis, dass selbst illegale sozialistische Jugendgruppen in Deutschland, Österreich und Italien nach Möglichkeiten suchten, die Spanische Republik zu unterstützen. Unter den Bedingungen von Verfolgung und Diktatur versuchten sie, ihre Verbundenheit mit den spanischen Freiheitskämpfern sichtbar zu machen. Die Spanienhilfe wurde damit zu einem Zeichen dafür, dass die zerschlagene sozialistische Jugendbewegung in den faschistisch beherrschten Ländern fortbestand.

Viele junge Sozialisten beschränkten sich nicht auf Sammlungen und politische Erklärungen. Tausende Freiwillige aus zahlreichen Ländern schlossen sich den Internationalen Brigaden oder der republikanischen Armee an. Ein großer Teil von ihnen kam aus sozialistischen Jugendorganisationen. Kern erinnerte besonders an den italienischen Sozialisten Fernando de Rosa, der als Führer des Bataillons „Octubre“ im September 1936 fiel.

Kern gehörte nicht zum engsten Kreis der Verhandlungsführer. Dennoch war seine Teilnahme für die sudetendeutsche Sozialistische Jugend von großer Bedeutung. Die Reise führte die Delegation vom 28. Juni bis 6. Juli 1937 nach Barcelona, Valencia, Albacete und Madrid. Sie sprach mit spanischen Jugendfunktionären und Vertretern der Internationalen Brigaden und gewann unmittelbare Einblicke in die politische und militärische Lage.

In Valencia begegnete Kern auch Julius Deutsch. Der österreichische Sozialdemokrat und frühere militärische Führer des Republikanischen Schutzbundes stellte seine Erfahrungen seit 1936 in den Dienst der Spanischen Republik. Die Begegnung verband zwei Stationen des europäischen antifaschistischen Kampfes: die Niederlage der österreichischen Arbeiterbewegung im Februar 1934 und die Verteidigung der spanischen Demokratie. Dass Kern noch 1963 in einem Schreiben an Deutsch auf das Treffen zurückkam, zeigt dessen bleibende Bedeutung für ihn.

Eine dauerhafte Verständigung zwischen den Jugendinternationalen entstand allerdings nicht. Das gegenseitige Misstrauen blieb bestehen, und der wachsende kommunistische Einfluss auf die spanische Einheitsjugend erschwerte eine gleichberechtigte Zusammenarbeit. Die tiefen Konflikte innerhalb des republikanischen Lagers ließen sich durch ein einzelnes Treffen nicht überwinden.

Dennoch war die Zusammenkunft bemerkenswert. In einer Phase schwerster äußerer und innerer Bedrohung suchten Vertreter unterschiedlicher Strömungen der Arbeiterjugend nach gemeinsamen Wegen zur Verteidigung der Republik. Das Treffen von Valencia steht damit für die Möglichkeiten und Grenzen antifaschistischer Einheitsbemühungen in den 1930er Jahren. Für Karl Kern wurde es zu einer wichtigen politischen Erfahrung, über die er nach seiner Rückkehr auch innerhalb der sudetendeutschen Arbeiterbewegung berichtete.

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