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Herbstseminar 2026

Veröffentlicht am 03.11.2026 in Allgemein

Marco Nastič (li.), Ema Andrlová (Mitte) und Tomáš Machálek(re.) bei ihrer Präsentation in Bad Alexandersbad

Junge Geschichtsforscher holen vergessenen Widerstand ans Licht

Gymnasiasten aus Mimoň präsentieren beim Herbstseminar der Seliger-Gemeinde ihre Forschungen zur Partisanengruppe WALTRO – Zweisprachige Publikation geplant

Wie junge Menschen ein nahezu vergessenes Kapitel des antifaschistischen Widerstands wieder sichtbar machen können, zeigte eine eindrucksvolle Präsentation beim Herbstseminar der Seliger-Gemeinde vom 16. bis 18. Oktober in Bad Alexandersbad. Ema Andrlová und Marco Nastič vom Gymnasium Mimoň (Niemes) stellten gemeinsam mit ihrem Lehrer Tomáš Machálek die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit über die Partisanengruppe WALTRO vor, die während des Zweiten Weltkriegs in Nordböhmen gegen das nationalsozialistische Regime kämpfte.

Die nach ihrem Gründer Walter Hofmann benannte Widerstandsgruppe war vor allem im Raum Zwickau in Böhmen (Cvikov), Kunnersdorf (Kunratice) und Böhmisch Leipa (Česká Lípa) aktiv. Ihre Mitglieder unterstützten ausländische Kriegsgefangene, organisierten Lebensmittel und Waffen, sammelten Informationen und beteiligten sich an Sabotageaktionen. Als Versteck diente unter anderem eine Sandsteinhöhle bei Drnovec, die bis heute als „Waltro-Höhle“ bekannt ist.

Besonders interessant für die Seliger-Gemeinde waren die politischen Wurzeln des Widerstands. Die Region war durch die Glas- und Textilindustrie und eine starke Arbeiterbewegung geprägt. Wenzel Scholze, einer der führenden Köpfe der Gruppe, stammte aus einer sozialdemokratischen Familie. Sein Vater war Mitglied der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), während er selbst der kommunistischen Bewegung angehörte. Nach der nationalsozialistischen Besetzung des Sudetenlandes wurde Scholze für mehrere Monate im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Nach seiner Entlassung beteiligte er sich erneut am antifaschistischen Widerstand. Auch Frauen wie Marie Dukátová spielten eine wichtige Rolle, indem sie verfolgte jüdische Menschen versteckten, Lebensmittel beschafften und Informationen weitergaben.

Die Schülerinnen und Schüler beschränkten sich keineswegs auf die Auswertung bekannter Darstellungen. Sie recherchierten in tschechischen Archiven, verglichen deutsche, tschechische und russische Veröffentlichungen und führten ein Interview mit der Tochter eines ehemaligen Gruppenmitglieds. Dabei untersuchten sie auch die widersprüchliche Nachkriegsgeschichte: Während Walter Hofmann mit dem Tschechoslowakischen Kriegskreuz ausgezeichnet wurde, blieb der Gruppe insgesamt die offizielle Anerkennung als Partisaneneinheit versagt. Zahlreiche deutsche Mitglieder wurden nach Kriegsende vertrieben, andere gerieten in den 1950er-Jahren erneut in politische Verfolgung.

Die Qualität dieser Forschungsarbeit fand bereits überregional Anerkennung. Beim tschechischen Schülerwissenschaftswettbewerb SOČ erreichte das Forschungsteam, zu dem auch Ladislav Brych gehörte, zunächst den ersten Platz im Regionalwettbewerb und anschließend den sechsten Platz im landesweiten Finale.

Auch über die Präsentation hinaus entwickelte sich ein lebendiger deutsch-tschechischer Austausch. Bei den abendlichen Gesprächen diskutierten die jungen Gäste mit den Seminarteilnehmern, darunter ehemaligen Abgeordneten des Bayerischen Landtags und des Deutschen Bundestags, über Demokratie, europäische Verständigung und die Bedeutung historischer Erinnerung. Besuche im deutsch-deutschen Museum Mödlareuth und im Pachelbel-Haus in Eger ergänzten ihr Programm.

Aus der Begegnung erwächst nun ein konkretes gemeinsames Projekt: Die Seliger-Gemeinde wird die Veröffentlichung einer zweisprachigen deutsch-tschechischen Publikation über die Widerstandsgruppe WALTRO finanziell unterstützen. Verfasst werden soll sie von den jungen Forschenden selbst.

Damit erhält ihre Arbeit nicht nur die verdiente Anerkennung, sondern auch eine Perspektive über den schulischen Rahmen hinaus. Zugleich zeigt dieses Projekt beispielhaft, wie die Erforschung der gemeinsamen Geschichte junge Menschen aus Deutschland und Tschechien zusammenbringen und die Erinnerung an den sudetendeutschen antifaschistischen Widerstand lebendig halten kann.

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