Erinnerung als Verpflichtung – Solidarität mit den Völkern der Welt
Christa Naaß ruft zu Solidarität und europäischer Einigkeit auf
Im Gasthaus Aschenberger gedachte die mit der Kreisgruppe Bad Griesbach fusionierte Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL) Passau Ende März des Selbstbestimmungsrechts der Völker und der Ereignisse des 4. März 1919. An diesem Tag hatten Deutsche im Sudetenland friedlich für ihr Selbstbestimmungsrecht demonstriert – viele bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben.
SL-Obmann Günther Rieger erinnerte zu Beginn an die tragischen Umstände jener Kundgebungen, bei denen die Hoffnungen auf politische Selbstbestimmung gewaltsam unterdrückt worden waren.
Im Mittelpunkt der Gedenkfeier stand die Ansprache von Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates und Ko-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde. Sie würdigte zunächst das Engagement der kürzlich verstorbenen Grande Dame der Passauer SL, Helga Heller, und erinnerte an das 75-jährige Bestehen der Seliger-Gemeinde, der Gesinnungsgemeinschaft der sudetendeutschen Sozialdemokraten.
„Dieser Jahrestag ist eine mahnende Erinnerung“, betonte Naaß. Immer dann, wenn nationalistisches Denken überhandnehme und Minderheiten ausgegrenzt würden, entstünden Konflikte, Leid und Vertreibung. Sie spannte den Bogen von Woodrow Wilsons Idee des Selbstbestimmungsrechts im Ersten Weltkrieg über dessen Missachtung nach 1918 bis zu den fatalen Folgen im 20. Jahrhundert: der Zerschlagung demokratischer Hoffnungen, dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der Sudetendeutschen.
Mit einem Zitat des sudetendeutschen Sozialdemokraten Josef Seliger erinnerte Naaß daran, dass der damalige Einsatz nicht aus Hass, sondern aus Liebe zur eigenen Freiheit geboren war.
Naaß zog Parallelen zur Gegenwart und erklärte ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, in Israel, Palästina und im Iran. Der kommende Sudetendeutsche Tag zu Pfingsten in Brünn stehe im Zeichen der Versöhnung und des europäischen Miteinanders.
Abschließend zitierte sie den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der jüngst betont hatte: „Nur wenn wir geeint handeln, wird es auch ein starkes Europa sein, das sich behaupten kann in einer Welt, in der Regellosigkeit zur Regel zu werden scheint.“ Dieses geeinte Handeln, so Naaß, sei Aufgabe der Sudetendeutschen Landsmannschaft und ihrer Gesinnungsgemeinschaften.
Zum Schluss erinnerte sie an die 2023 verstorbene Olga Sippl, Ehrenvorsitzende der Seliger-Gemeinde: „Wir müssen und wollen sichtbar sein und gehört werden, um nicht aus der Geschichte zu verschwinden.“