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Erinnerung an August Lindner aus Kamnitz-Neudörfel

Veröffentlicht am 31.12.2021 in Allgemein

Ein Foto vom Mai 1939: August Lindner mit seiner Ehefrau Anna und den Kindern Erika, Waltraud und Franz. Die Tochter Annelies ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren.

 

Ein Beispiel für Standhaftigkeit in bittersten Zeiten                            

Susanne Achenbach aus Bremen bewahrt das Andenken an ihren Großvater August Lindner

August Lindner wurde am 21. März 1907 in der Gemeinde Kamnitz-Neudörfel in Böhmen geboren. Er war 16 Jahre jung als er in die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Ersten Tschechoslowakischen Republik (DSAP) eintrat und er hatte Kraft wie ein Bär, mit der er einen Ochsen an den Hörnern packen und zu Boden geringen konnte. Später war er, als gelernter Tischler,  Schriftführer in dem kleinen Ortsverein der DSAP, in dem schon sein Vater Mitglied war. Damals, vor der Nazi-Herrschaft, arbeiteten die Sozialdemokraten in Kamnitz-Neudörfel noch eng mit den tschechischen Genossen zusammen. Nach dem Münchner Abkommen Anfang Oktober 1938 wurde August Lindner verhaftet.

Nach der Entlassung Ende 1938, folgte die Demütigung der Meldepflicht bei der Gestapo. Er wurde beobachtet und bespitzelt. Immer wieder folgten Hausdurchsuchungen, Vorladungen Verhaftungen und Verhöre. Was blieb waren Erniedrigungen in den Gefängnissen, Folter, Angst um seine Frau Anna und die vier Kinder. Und trotzdem blieb er standhaft, bereit für seine Ideale, für seine Partei zu kämpfen. Auch seine Ehefrau Anna Lindner (+ 29.12.1986) war eine aktive Sozialdemokratin. So hat sie u.a. den Insassen des Arbeitslagers Rabstejin Essen zukommen lassen, das ihr Sohn Franz, der Vater von Susanne Achenbach, als kleiner Junge über den Zaun geworfen hat. Eine Tante war Zeugin, als ein Arbeiter, der sich nach einer Birne bückte, zu Tode geprügelt wurde.

Im Mai 1940 wurde August Lindner zur Wehrmacht eingezogen und kam erst im Februar 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Im Juli 1946, nach der Vertreibung, kam er nach Deutschland, arbeitete wieder als Tischler und suchte in Bad Hersfeld den Kontakt zu den Genossen in der SPD. Er hat sein Leben lang zu den sozialdemokratischen Zielen gestanden. „Mein Opa freute sich immer, dass ich bei der Arbeiterkammer Bremen war; diese Institution entsprach seinen Idealen. Gut zu wissen, dass wir mit unserer Arbeit etwas zur Verwirklichung seiner Vorstellung von einer gerechteren und sozialeren Welt beitragen können“, so Susanne Achenbach, die hier als Referentin für Bildung und Ausbildung mit dem Schwerpunkt Alphabetisierung und Grundbildung arbeitet. Für sie ist es ein Stück Vermächtnis ihrer Großeltern, bei der Arbeitnehmerkammer in Bremen, in diesem Jahr hundertjährigen Geburtstag feiert und auf eine Initiative von Friedrich Ebert zurückgeht, für mehr Gerechtigkeit, Würde und Wohl zu arbeiten.

August Lindner wurde 1998 von seinem SPD-Ortsverein Hersfeld-West für 75 Jahre Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei geehrt. Der Vorsitzende des SPD Ortsvereins Hersfeld-West, Fritz Schade, dankte ihm dafür, dass er sein Gewisser nie verleugnet hatte.  „Wie lange hält man es aus für seine Ideale, für sein Credo zu kämpfen bevor man es schließlich verleugnet? Wo bleibt die Würde, wenn gefoltert, gequält und getötet wird wegen einer politischen Äußerung“, fragte der Neue Kreisanzeiger in seinem Bericht anlässlich der Ehrung „als Beispiel für Standhaftigkeit in bittersten Zeiten“. Ja, es gibt sie, diese Menschen. Diejenigen, die widerstanden, die Qual und Pein auf sich nehmen, um für ihre politische Überzeugung einzustehen. August Lindner war einer von ihnen. Anna Lindner wurde 1984 für ihre 50jährige Mitgliedschaft geehrt.

Die Urgroßmutter von Susanne Achenbach war Tschechin. Für sie als Kind waren die beiden Großeltern „immer ein bisschen komisch, nicht so richtig zum liebhaben ..“. Aber nachdem was sie mitgemacht haben, ist es auch kein Wunder. Als sie 1998 mit ihren Eltern "doheeme" war, erlebte sie ihren Vater an einigen Stellen wie nie, „denn da kochte ganz vieles wieder hoch“, erinnert sich Susanne Achenbach. Ihr Vater hatte danach auch wieder angefangen tschechisch zu lernen, er verstarb 2010. August und Anna Lindner, wie auch ihr Sohn Franz, waren bis zu ihrem Lebensende Mitglieder der Seliger-Gemeinde.

Gestern, am 30. Dezember 1999, vor genau 22 Jahren, kam August Lindner unter tragischen Umständen zu Tode. In seinem Altenheim wurde er von einem bekannt gewalttätigen Psychopathen, der nicht in die Psychiatrie, sondern in dem Altenheim untergebracht wurde, erschlagen. „Was die Nazis nicht geschafft hatten, hat dieser Mensch meinem fixierten Opa angetan. Die Tat bleibt ungesühnt. Aber wir vergessen sie nicht, und auch nicht die Umstände, die sie möglich machten“, so Susanne Achenbach, die zusammen mit den Nachkommen des August Lindner sein Andenken bewahren.

Susanne Achenbach ist nun auch Mitglied in der Seliger-Gemeinde! Herzlich willkommen!

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