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Grüße aus dem Böhmerwald. Das Volk mag keine historischen Fakten.

Veröffentlicht am 17.07.2019 in

Chefredakteur Jan Culik von blisty.cz, der an der UNI Glasgow slawische Studien leitet, machte Urlaub im Böhmerwald und hat dort im ehemaligen Fürstenhut * den Versuch, das Wort "Vertreibung" bzw. „vyhnání“ (Verscheuchung) zu verwischen, dokumentiert. Ob sich nun zuerst Tschechen am Wort „Vertreibung“ stießen, oder Deutsche an der falschen Übersetzung  „vyhnání“ (Verscheuchung), lässt sich wohl nicht mehr herausfinden.

Unser Mitglied František Řezáč aus Pilsen hat das im Sinne der gemeinsamen deutsch-tschechischen Erklärung kommentiert:

Es ist nicht ganz klar, aber wahrscheinlich hat jemand versucht, das Wort „Vertreibung“ aus zu löschen. Ich beschäftige mich schon lange und sehr intensiv mit dem Thema Vertreibung. Es ist bis heute sehr kompliziert und sensibel. Ich spreche auch mit Vertriebenen oder deren Nachkommen. Zum Glück, gibt es nur noch eine Minderheit auf beiden Seiten, die das Thema vereinfachen und Vorurteile nicht abbauen können.

Allen Extremisten auf der tschechischen Seite kann ich die derzeit in der Maashaus-Ausstellungshalle in Pilsen gezeigte Ausstellung über die diplomatischen Beziehungen zwischen der neu gebildeten Tschechoslowakei und Deutschland 1918 im Vergleich zu den diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der postrevolutionären Tschechischen Republik im Jahr 1993 sehr empfehlen. Springen wir über unseren Schatten. Aber nicht mit dieser Toilettentaktik im Böhmerwald. Es gibt eine Art Petition, in der die Deutschen zur Zahlung von Kriegsreparationen aufgefordert werden! Es ist völlig gerechtfertigt. Die Ausstellung erwähnt und zitiert auch die gemeinsame deutsch-tschechische Erklärung von 1997. Sie befasst sich auch mit der Frage der „Vertreibung“ oder „vyhnání“ (Verscheuchung)  nach 1945.

Im tschechischen Text handelt es sich um eine Wortverdrehung, bei der es sich nicht um die korrekte Übersetzung Wortes Vertreibung handelt. Die Diplomaten beider Seiten waren sich der Sensibilität der Angelegenheit bewusst und waren sich zumindest einig. Auf der anderen Seite hat beispielsweise die Sudetendeutsche Landsmannschaft in seiner Satzung auf einen Anspruch zur Entschädigung oder Rückgabe von Eigentum verzichtet. Dinge passieren einfach, die manche Leute nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Gewöhnliche und besonders junge Leute kümmern sich nicht darum und gehen einkaufen und treffen sich hier und dort.

Diese Gedenktafel wurde wahrscheinlich von unseren ehemaligen Landsleuten aus dem Böhmerwald bezahlt. So ließen sie es sich in die tschechische Sprache übersetzen, im festen Glauben, dass es sich um eine „Vertreibung“ handelte. Wenn solche Tafeln zahlen und an vielen anderen ähnlichen Orten aufgestellt werden, müssen die Tschechen dies gemäß der deutsch-tschechische Erklärung auch korrekt tun ...

* Fürstenhut/Knížecí Pláně ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Borová Lada/Ferchenhaid und liegt 7 km von Kvilda/Außergefild entfernt. Etwa vier Kilometer Luftlinie entfernt im Südwesten auf deutscher Seite liegt Finsterau.

In der Blütezeit des Ortes standen hier mehr als sechzig Häuser. Außer einer Mühle und einer Säge gab es noch eine Schule, ein Forst- und ein Hegerhaus, das Gemeindehaus, eine Post und vier Gaststätten. Das Dorf hatte seinen Friedhof, und seit 1864 bildete die steinerne Kirche, benannt nach Johannes dem Täufer, die beeindruckende Dominante der Umgebung, neben der das Pfarrhaus stand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die überwiegend deutschstämmige Bevölkerung 1946 vertrieben und die Gebäude bis 1956 abgerissen. Auch die Kirche und der Friedhof wurden zerstört. Die nächsten Jahrzehnte lag der Ort in der Sperrzone an der Grenze zu Deutschland und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Erst nach der politischen Wende 1989 war die Stelle wieder zugänglich. 1992 bekamen die ehemaligen Bewohner die Erlaubnis die Grabsteine auf dem Friedhof wieder aufzurichten und die Anlage zu sanieren.

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