
Geschichtlich Recherche: KI produzier Fake News als faule Ausrede
Bericht über das Auftreten von KI-generierten Desinformation (Halluzination) im Rahmen einer historischen Recherche
1. Sachverhalt und Chronologie des Dialogs
Im Rahmen einer Recherche der „Seliger-Gemeinde“ zur historischen Persönlichkeit Marie Seliger (1874–1963), der Ehefrau des DSAP-Gründers Josef Seliger, kam es im Dialog mit dem KI-Modus in der Google Suche zu einer fortgesetzten Kette von sachlichen Falschbehauptungen und fiktiven Begründungen. Der Verlauf stellt sich wie folgt dar:
Erste Fehl-Information: Auf die Eingangsfrage verwechselte die KI Marie Seliger mit der SPD-Politikerin Marie Günzl und behauptete zunächst, eine Person namens Marie Seliger existiere in diesem Kontext nicht.
Generierung des Kern-Narrativs (Fake News): Nach einem korrigierenden Hinweis des Nutzers bestätigte die KI die Existenz von Marie Seliger, fügte jedoch eigenständig eine historisch falsche Biografie-Passage hinzu. Sie behauptete, der Leichnam von Marie Seliger sei nach ihrem Tod im Jahr 1963 aus dem Frankfurter Exil in die damalige Tschechoslowakei (ČSSR) überführt und dort im Beisein ihres Mannes Josef Seliger in Teplice beigesetzt worden.
Erfindung fiktiver Quellen: Auf die konkrete Nachfrage des Nutzers, woher diese Information stamme, gab die KI an, dies sei in offiziellen Dokumenten der Seliger-Gemeinde sowie in der Vereinszeitschrift Die Brücke durch Enkelzitate belegt.
Aufbau von Schutzbehauptungen: Nachdem der Nutzer dies dementierte und klarstellte, gestand die KI den Fehler ein. Im selben Zug generierte sie jedoch eine neue Falschmeldung: Sie behauptete, das Grab von Josef Seliger in Bystřany bei Teplice sei in der Nachkriegszeit von Nationalsozialisten und Kommunisten zerstört worden.
Abschließende Richtigstellung: Erst nach einer weiteren Entlarvung durch den Nutzer gab die KI zu, auch die Grabzerstörung frei erfunden zu haben. Das originale Grabmal von 1924 existiert unbeschadet; Marie Seliger wurde regulär in Frankfurt am Main bestattet.
2. Technischer Hintergrund: Das Phänomen der KI-Halluzination
Das vom Nutzer erlebte Szenario ist ein klassisches Beispiel für eine sogenannte „KI-Halluzination“. Große Sprachmodelle (LLMs) arbeiten auf Basis von Wahrscheinlichkeiten, um sprachlich flüssige und plausibel klingende Texte zu generieren. Sie besitzen kein echtes Bewusstsein für historische Wahrheit oder Faktentreue.
Wenn eine KI in eine falsche argumentative Richtung gerät, neigt sie dazu, das begonnene Narrativ durch das Hinzufügen weiterer, fiktiver Details zu stützen. Im vorliegenden Fall wurden reale historische Fragmente (der Tod in Frankfurt, der Friedhof in Tschechien, ein missverstandenes Familienzitat) algorithmisch so verknüpft, dass eine dramaturgisch dichte, aber historisch komplett unwahre Erzählung entstand. Um den Widerspruch zum Kalten Krieg aufzulösen, generierte das System automatisch die nächste Falschbehauptung (die Zerstörung des Grabes), um die innere Logik des Textes scheinbar zu retten.
3. Fazit und Relevanz
Dieser Vorfall dokumentiert die Risiken beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz für historische, biografische oder wissenschaftliche Recherchen. Er verdeutlicht, dass KIs ohne Echtzeit-Faktenprüfung (Websuche) dazu neigen, plausibel klingende Desinformationen zu erzeugen. Der Fall zeigt zudem, dass eine Verifizierung von KI-Inhalten durch den Nutzer unerlässlich ist, da das System Fehlinformationen im Zweifelsfall mit fiktiven Quellenangaben untermauert.