
Bundesvorsitzende Christa Naaß legte mit weiteren Mitgliedern der Seliger-Gemeinde den Kranz nieder
In der KZ-Gedenkstätte Dachau wurde am 4. Mai mit Gottesdiensten und einer zentralen Feier an den 80. Jahrestag der Befreiung erinnert. Zehn KZ-Überlebende sowie zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft waren unter den Gästen.
Die Nationalsozialisten eröffneten das Lager im März 1933. Es diente als Modell für alle anderen Konzentrationslager. In Dachau mit seinen 140 Außenlagern wurden mehr als 200.000 Menschen aus über 40 Ländern interniert. 41.500 Männer und Frauen verhungerten oder starben an Krankheiten, Folter, Mord oder an den Bedingungen der Zwangsarbeit und der Haft.
Christa Naaß, Gerhard Barenbrügge, Rainer Pasta und Christine Roth waren eigentlich vor dem Kranz der Seliger Gemeinde, der vor dem Internationalen Mahnmal mit vielen anderen Kränzen abgelegt war, verabredet. Man traf sich dann an diesem verregneten Sonntagvormittag aber gleich im großen weißen Zelt welches eigens für die Befreiungsfeier am Appellplatz aufgestellt war. Regen prasselte auf den Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau.
Bei der Gedenkfeier, zu der rund 1700 Menschen gekommen waren, ergriffen auch die Zeitzeugen Jean Lafaurie, Mario Candotto, Leslie Rosenthal und Abba Naor das Wort. Sie haben Dachau überlebt und sind gekommen, um an die Gräueltaten und das Leid zu erinnern, aber auch um zu mahnen: „So etwas darf nie wieder passieren.“
Der heute 97-jährige Abba Naor überlebte 1945 den Todesmarsch. Er erzählte, dass sein 14jähriger Bruder schon in Litauen im Ghetto ermordet wurde. Abba und sein Vater wurden zunächst ins KZ Stutthof deportiert. Sie wurden getrennt und kamen in verschiedene Außenlager des KZ Dachau. Seine Mutter und sein kleiner Bruder fanden in Auschwitz den Tod. Auf die Frage, welches Vermächtnis er den Menschen mitgeben wolle antwortete er: „Mensch sein“.
George Legmann aus Brasilien, der an der Befreiungsfeier teilnahm, war das erste jüdische Kind, das im KZ Außenlager bei Landsberg geboren wurde. Während der Feier wurde die Geschichte seiner Mutter erzählt, die nicht nur ihr eigenes Kind rettete. Leslie Rosenthal aus Toronto, der auch in dem Außenlager geboren wurde, erinnerte in seiner Rede an Legmans Mutter, die auch ihn gestillt hatte.
Minutenlangen Beifall erhielt der 100-jährige Bud Gahs, der als Soldat der Rainbow-Division am 29. April 1945 dabei war, als die US-Armee das KZ befreite. „Erst als wir die Tore von Dachau öffneten, wurde uns wirklich klar, wofür wir gekämpft hatten.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) dankte bei der Gedenkfeier den Zeitzeugen für ihre „unermüdliche Erinnerungsarbeit“. Auch die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner (CSU), betonte den zentralen Stellenwert der Erinnerungskultur und einer wehrhaften Demokratie gerade angesichts des Erstarkens der extremen Rechten. „Wer nicht weiß, welche Errungenschaften unsere Freiheiten sind, muss einfach hierherkommen, sagte sie.
Für Ulrike Scharf (CSU), Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin und Sozialministerin, sind die wieder erstarkende Judenfeindlichkeit und die Zunahme antisemitischer Vorfälle erschütternd. Deshalb stehe für sie fest: „Erinnern heißt, Begreifen was war, was ist, was werden kann. Wir in Bayern handeln und bekennen uns zu unserer historischen Verantwortung.“
Mit einer Schweigeminute und dem Kranzgedenken vor dem Internationalen Mahnmal ging die Gedenkfeier zu Ende. Text und Foto Christine Roth