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Marienbader Gespräche 2021

Veröffentlicht am 26.07.2021 in Allgemein

Die Marienbader Gespräche 2021 fanden im Casino des Hotels Novĕ Láznĕ statt. Berühmte Philosophen, Komponisten und selbst die Königshäuser Europas zog es schon in dieses prächtige Hotel.

 

Die Vertreibung — ein Zukunftsthema?

Gemeinsame Geschichtsaufarbeitung als Basis eines neuen Miteinander – Rückschläge in Corona-Zeiten

Der Sudetendeutsche Rat e.V. veranstaltete vom 23. — 25. Juli 2021 in Marienbad sein Deutsch-Tschechisches Seminar, das unter dem Namen „Marienbader Gespräche“ bekannt ist. Die diesjährige Tagung stand unter dem Motto „Die Vertreibung — ein Zukunftsthema? Geschichte — Gegenwart — Perspektiven".  Das Tagungsprogramm, das vorwiegend im ehemaligen Casino des Hotels Novĕ Láznĕ abgewickelt wurde. Beinhaltete eine Reihe von sehr interessanten Vorträgen und Veranstaltungen. Die Seliger-Gemeinde spielte auch dieses Jahr mit einer Reihe von Auftritten ihrer Mitglieder dabei eine bedeutende Rolle.

Nach einem gemeinsamen Abendessen im Speisesaal des Hotels Novĕ Láznĕ und der Begrüßung durch die Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates Christa Naaß, MdL a.D. begann die Veranstaltung am Freitagabend mit der Vorstellung des Romans „Gerta. Das deutsche Mädchen“. Uli Miksch interviewte dazu die Autorin Kateřina Tučková, die in ihrem Buch an einem Einzelschicksal die Geschichte der Deutschen und Tschechen von der unabhängigen tschechischen Republik über zwei Diktaturen bis in die postkommunistische Zeit erzählt. Sie verdichtet in ihrem Werk offizielle Quellen und Zeitzeugenaussagen zu einer packenden literarischen Fiktion und stellt die Frage nach der historischen Schuld und ob Vergebung und gegenseitiges Verständnis möglich sind. In einem atemberaubenden Roman erzählt Tučková das Schicksal des Mädchens Gerta, das in der zweisprachigen Familie Schnirch im mährischen Brünn aufwächst. Die Mutter ist Tschechin, der Vater ist Deutscher und wie der Bruder ein Anhänger Hitlers. Mit der Errichtung des deutschen Protektorats 1938 zerfällt die Familie wie die Gesellschaft in einen tschechischen und einen deutschen Teil. Die Mutter stirbt und Gerta wird vom eigenen Vater schwanger. Wie tausende Deutsche wird die junge Frau nach dem Krieg zum Staatsfeind erklärt, ausgebürgert, und in der Nacht vom 30. zum 31. Mai 1945 im sogenannten „Brünner Todesmarsch“ vertrieben. Gerta und ihre Tochter überleben mit anderen deutschen Frauen bei der Zwangsarbeit auf dem Land. Jahre später kehren sie in die fremde Heimatstadt zurück und leben, als Deutsche stigmatisiert, am Rande der kommunistischen Gesellschaft in der Tschechoslowakei. Das Schicksal dieser Frauen und die schmerzhaften Fragen von Schuld, Rache und Vergebung zwischen Tschechen und Deutschen entspricht eins zu eins dem diesjährigen Thema der Tagung: „Die Vertreibung — ein Zukunftsthema? Geschichte — Gegenwart — Perspektiven".

Anschließend referierte Prof. Dr. Manfred Kittel zum Thema "70 Jahre nach dem Wiesbadener Abkommen: Anmerkungen zum deutschen Vertreibungsdiskurs". Vor 70 Jahren, am 4. August 1950, unterzeichneten Vertreter des tschechischen Nationalausschusses und der Arbeitsgemeinschaft zur Wahrung sudetendeutscher Interessen in Wiesbaden ein wichtiges Versöhnungsdokument, das „Wiesbadener Abkommen“. Ziel der Vereinbarung war es, eine gerechte Völker- und Friedensordnung in Europa zu schaffen. Gleichzeitig war damit die Hoffnung verbunden, demokratische Verhältnisse in der damaligen Tschechoslowakei herzustellen und den Sudetendeutschen die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Wie in der einen Tag später, am 5. August 1950, in Stuttgart unterzeichneten „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“, wurde darin eine Kollektivschuld für das gegenseitig zugefügte Unrecht abgelehnt.  „Die Unterzeichner des Wiesbadener Abkommens haben es geschafft, auch das Leiden der jeweils Anderen zu betrachten, dies war – so kurz nach Krieg und Vertreibung – bemerkenswert. Ohne den Blick auf das Leiden des anderen ist Versöhnung nicht möglich. So gelang es, ein Dokument zu schaffen, ohne zu verharmlosen, ohne zu beschönigen oder gar gleichzusetzen“, macht Kittel deutlich.                         

Auch die Arbeiterbewegung gehört zum Kulturgut der Sudetendeutschen!

Am darauffolgenden Tag, nach dem Grußwort des Marienbader Bürgermeisters Martin Kalina, stellte sich die neue Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch M.A. vor. Da sie ihre Aufgabe vor allem in der Bewahrung der Denkmalpflege, des Brauchtums und der Mundarten sieht, kam der Einwurf unseres Mitglieds Waldemar Deischl, dass zum Kulturgut der Sudetendeutschen auch die Geschichte und Werte der Arbeiterbewegung gehören, zur rechten Zeit. Deischl kündigte an Christina Meinusch über das ihr unbekannte Thema seitens der Seliger-Gemeinde ausführlich zu informieren. Der anschließende Vortrag von Jaroslav šonka über die Auswirkungen der Vertreibung auf das politische Denken in der Tschechischen Republik, machte deutlich, dass die Sprache ein zentraler Baustein der gegenseitigen Verständigung sei. Er berichtete über die Maßnahmen der deutschen und tschechischen Händler und Kaufleute, ihren Nachwuchs zweisprachig zu erziehen und erläuterte, dass der aufflammende Nationalismus und die daraus resultierende Sprachgrenze bis heute Bestand habe. Hier gelte es, seiner Meinung nach, intensiv einzuschreiten.

Der Vormittag schloss mit einer durch Peter Becher moderierte Runde mit Kommunalpolitikern und Abgeordneten des Europaausschusses des Bayerischen Landtags zum Thema „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit". Mit auf dem waren neben Markus Rinderspacher, MdL, Vizepräsident Bayer. Landtag, SPD, auch Bernhard Pohl, vertriebenenpolitischer Sprecher, stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FW, Florian Siekmann, MdL, Mitglied des Europaausschusses, GRÜNE, Dr. Helmut Kaltenhauser, vertriebenenpol. Sprecher der FDP, Wilhelm Simeon, tschech. Kommunalpol., CSSD Cheb, und Zuzana Vintrová, Präsidentin des Verwaltungsrates des Verbandes der Pendler der Tschechischen Republik. Vintrová beschrieb eindringlich die Situation der Pendler während der Grenzschließungen und das Wirrwarr der politischen Entscheidungen beiderseits der Grenzen. Markus Rinderspacher kritisierte die ewigen Versprechen u.a. die grenzübergreifenden Bahnlinien auszubauen und dies seit 30 Jahren zu versäumen. Die anderen Politiker beschränkten sich auf die Darstellung ihrer Erlebnisse während der Pandemie und vor allem die, die Regierungsparteien in Bayern repräsentierenden Abgeordneten, versuchten sich in erneuten Versprechen die Verkehrsverbindungen zu verbessern.

„TISA – Eine Liebe ohne Grenzen“

Stefan Daubner vom Schyren- Gymnasium Pfaffenhofen stellte die vor Ort praktizierte Idee eine Erinnerungskultur/Vertreibungen durch entsprechende „Wissensvermittlung an Schulen — Lernen über die Geschichte für die Gegenwart“ am Beispiel des Musicals TISA vor. Einige Schüler aus Paffenhofen präsentierten eindrucksvolle Ausschnitte aus dem Werk. Das deutsch-tschechische Musical „TISA – Eine Liebe ohne Grenzen“ handelt vom Klettern und der wechselvollen gemeinsamen Geschichte beider Länder. Es wird vom Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen/Ilm und dem Gymnasium Dĕčín/Tschechien mit über 120 Schülern produziert und im September 2019 uraufgeführt. Die Öffentlichkeit in beiden Ländern verfolgte die Produktion aufmerksam mit, wovon zahlreiche Zeitungsberichte und eine Rundfunkreportage zeugen. Anschließend berichteten Paula Schubert und Chiara Stenger, Studierende der Uni Mainz von ihrer Studienreise und den empirischen Arbeiten zum Tagungszentrum Heiligenhof. Beide Programmpunkte moderierte wiederum Peter Becher.

Den Tag schloss der Programmpunkt „Geschichte - Gegenwart — Musik verbindet“ – ein wundervolles Konzert des Westböhmischen Symphonieorchesters in der Baustelle der Waldmühle/Lesní Mlýn im Rahmen des Projekts „Lebendiges Grenzland".

Der Sonntag begann mit einer Morgenandacht, gestaltet von Albrecht Schläger, auf die ein Bericht aus dem Sudetendeutschen Büro Prag, vorgetragen von Peter Barton folgte.

Anschließend stellte sich die Abgeordnete Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayer. Staatsregierung für Heimatvertriebene und Aussiedler vor. Die Tagung endete mit einem bemerkenswerten Vortrag von Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe zum Thema „Vertreibungen und Umsiedlungen im 20. Jahrhundert im Rahmen der Balkankriege — Auswirkungen auf die heutige Zeit“.  Hierbei erwähnte Posselt den Sozialdemokraten Leo Freundlich, der den Völkermord an den Albanern im Balkankrieg 1912-13 aufdeckte.

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