
Am Stand der Seliger-Gemeinde im Augustinergarten in Brünn anlässlich der Abschlusskundgebung zum Brünner Versöhnungsmarsch 2025: Bundesvorsitzende Christa Naaß (2.v.re.) mit dem vertriebenenpolitischen Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion Volkmar Halbleib, MdL (2.v.li.) Bundesgeschäftsführer Rainer Pasta (li.) und Bundesvorstandsmitglied Bernd Klippel (re.)
Dabeisein ist Pflicht und Ehe zugleich
80 Jahre Todesmärsche - die Seliger-Gemeinde erinnerte an Leo Zahel jun. und Georg Hans Trapp
Anlässlich des 80. Jahrestages des Brünner Todesmarsches am 31. Mai 2025 erinnerte die Seliger-Gemeinde an den im Frühjahr verstorbenen Leo Zahel jun., der als 15-Jähriger dieses Unrecht miterleben musste und als Zeitzeuge bis zuletzt für die Versöhnung eingetreten ist. Ein Banner der Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ erinnerte an ihn.
Ein weiterer Überlebender eines Todesmarsches, an den die Seliger-Gemeinde heuer gedachte, war der sudetendeutsche Künstler Georg Hans Trapp. Mit einer Ausstellung seiner frühen Werke, in denen er vor Krieg und Nationalsozialismus warnte, präsentierte sich die Seliger-Gemeinde im Garten der Augustiner-Abtei. Trapp musste den Todesmarsch zur Evakuierung des Konzentrationslagers Hersbruck erleiden und wurde dabei von den Amerikanern befreit.
Sudetendeutsche Sozialdemokraten doppelt betroffen
In der Zusammenschau der Ereignisse und Erlebnisse von Leo Zahel jun. und Georg Hans Trapp wird die Dimension des heurigen Gedenktages offenbart. Einerseits die Verbrechen der Deutschen, auch an den eigenen Landsleuten, aber vor allem an den 6 Millionen ermordeter Juden sowie den politischen und weltanschaulichen Gegnern – andererseits die Verbrechen der rachedurstigen Tschechen an den Millionen Sudetendeutschen, die aus der Heimat vertrieben wurden. Die sudetendeutschen Sozialdemokraten, deren Nachfolge die Seliger-Gemeinde angetreten ist, wurde von beidem heimgesucht.
Versöhnung muss nach außen und innen wirken
Umso mehr beinhaltet dieser Gedenkmarsch, den Deutsche und Tschechen gemeinsam begehen, eine immense Bedeutung beiderseitigen Vergebens. Es ist nach 80 Jahren schwer zu ertragen, dass manche Grußwortredner*innen und Teilnehmer, diese Dimension schier nicht verstehen oder verstehen wollen. Werden einmal die anwesenden Tschechen bei der Begrüßung und dem Inhalt der Rede einfach übergangen, und nur das Leid der Deutschen bei „ihrem Gedenkmarsch“ hervorgehoben, so können andererseits die ewig Gestrigen sich nicht verkneifen, ihre „ganz persönliche Meinung“ zu Versöhnung und gemeinsamer europäischer Zukunft unters Volk zu bringen. Wir schwer muss der Hass in einem begraben sein, wenn man nach außen hin Versöhnung heuchelt, aber im Innern den Revanchismus weiter pflegt?
Umso mehr ist es eine Pflicht und eine Ehre für die Seliger-Gemeinde, sich an diesem Versöhnungsmarsch und der anschließenden Kundgebung zu beteiligen, auch wenn, wie dieses Jahr, ein kurzer Gewitterguss und völlig überzogene „Grußworte“ die Veranstaltung einschränken bzw. eine Teilnahme bis zum Schluss für viele unmöglich machten.
Ein besonderer Dank gebührt der Sudetendeutschen Stiftung, die es im Rahmen der Ausstellungspräsentation „Böhmen liegt nicht am Meer“ ermöglicht hat, die Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch durchzuführen. Das sonst zuständige Innenministerium hatte dies aufgrund einer Haushaltssperre abgelehnt.