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Herbstseminar 2025

Veröffentlicht am 02.11.2025 in Allgemein

Einen besonderen Blick warf Filip Bláha auf die Geschichte des Eishockeys in Kladno, die eng mit dem Verein Poldi Kladno und dem Aufstieg der Spieler Jaromír Jágr oder Milan Nový verbunden ist.

 

Kladno – eine unbekannte Stadt, die man kennen sollte

Filip Bláha griff die Filmerzählung „Die Sirene/ Siréna“auch am folgenden Sonntagmorgen auf und informierte über die Geschichte der 25 Kilometer nordwestlich von Prag liegenden Stadt Kladno, die heute keinen Bergbau und keine Stahlindustrie mehr beherbergt, dafür aber als Eishockey-Hochburg und Standort der größten Lego-Fabrik in Europa bekannt ist.

Bláha, der zur Zeit als Stadthistoriker, Kurator und Lektor in der Galerie der Stadt Kladno arbeitet, schreibt an der Geschichte der Stadt Kladno und ist daher bestens informiert und hat eine ganz eigene Sicht auf die Geschichte der Stadt.

„Der Grundstein von Kladno war keiner der Steine, mit denen das erste Gebäude des mittelböhmischen Städtchens irgendwann vor 1318 erbaut wurde, sondern eher einer der Steinkohlebrocken, die sich in der Umgebung seit jeher fanden“, so sein Einstig in die Geschichte der Stadt. Als Anfang des 19. Jahrhunderts die wirtschaftliche Bedeutung der Kohle erkannt wurde, kam es zu einem wahren Gold-, das heißt Kohlerausch, in dem die verschiedensten Gestalten, erfahrene Bergleute wie Abenteurer, ihr Glück versuchten. Es war Jan Váňa, der am 1. November 1846 das erste ergiebige Flöz fand und damit den eigentlichen Grundstein für Kladnos moderne Geschichte legte. Aus der Provinzstadt bei Prag wurde im rasenden Tempo eine Industriestadt und Stadt der Arbeiterbewegung.

Kladno entstand als kapitalistische Stadt, spontan, wild, planlos. Unten im Tal bei den Bergwerken und Fabriken breitete sich das Kladno der Arbeiterklasse aus, das allerdings aus Dörfern bestand, die lange nicht zur Stadt gehörten. Es sind weite Gegenden mit meist eingeschossigen vorstädtischen, im eigentlichen dörflichen Häuschen. Immer ein Geschoß längs der Straße, darauf ein Satteldach, dahinter, vielleicht, ein Gemüsegarten.

Hier findet man in einer dann ins Industriegebiet auslaufenden Straße eine Gedenktafel für die kommunistische Schriftstellerin Marie Majerová, die dort aufwuchs und in ihrem Roman „Siréna“ die Geschichte der Stadt beschrieb. Heute heißt die Straße nach ihr und Bláha hatte den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern am Vortag diesen Film gezeigt.

Oben auf dem Hügel war das Kladno des Bürgertums, so Bláha weiter. Die ersten Verwalter der Kohle- und Eisenhütten bauten ihre Villen noch in der Nähe der Fabriken und Bergwerke, aber bald kam es zur Separation der sich stetig schärfer herausbildenden gesellschaftlichen Klassen.

„Das alte Kladno lag am Hang dazwischen, aber eher weiter von den Arbeitergegenden entfernt als von den bürgerlichen“, wusste Blaha zu berichten. Blaha sprach das alte Rathaus du die Synagoge von 1884 und das Schloss, ein bescheidener dreiflügeliger Barockbau, an. Von hier aus wurde das Gut verwaltet, das vor der Erschließung der Kohle die Grundlage von Kladnos Wirtschaft war. Weiter erwähnt wurde die Kaple svatého Floriána (Florianskapelle), ein ganz südlich, italienisch wirkenden Rundbau mit vielfach ein- und vorgewölbter Fassade. Aber die Stadt ist schon lange über ihr altes Zentrumhinaus gewachsen.

1830 erfolgte die Inbetriebnahme der zweiten öffentlichen Pferdebahn auf dem europäischen Festland zwischen Weiche/Vejhybka bei Maßhaupt (heute Kladno-Výhybka), die 1863 von der Buschtěhrader Eisenbahn übernommen und durch eine Dampfeisenbahn ersetzt wurde. 1850 wurde die Kohlengrube Lucerna eröffnet, 1889 das Stahlwerk Poldi Hütte.

Kladno war sich der Bedeutung der Steinkohle sehr schnell bewußt und schon 1854 wurde ein großer Findling für Jan Váňas Entdeckung aufgestellt. Im Jahre 1954 setzte die nunmehr sozialistische Tschechoslowakei diesen Váňův kámen (Váňa-Stein) neben dem Gymnasium auf einen Sockel, auf dem außerdem noch zwei überlebensgroße Bronzeplastiken von Bergarbeitern aufgestellt wurden. Der Kumpel von 1854 mit Hacke und Öllampe reicht dem Kumpel von 1954 mit Preßlufthammer und Helmlampe über den Stein die Hand. Denn nicht der zufällige Finder des ersten Kohleflözes, sondern Generationen von Arbeitern schufen das heutige Kladno.

Bláha übersprang die weitere Entwicklung mit kurzen Hinweisen auf die Geschehnisse 1918 und 1938.

Die Zeit des Wohlstands und der Entwicklung der Stadt wurde erst durch die Besetzung der Nazis im März 1939 gestoppt. Die Nazis setzten alle Mitglieder des Stadtrats ab und inhaftierte sie. Den Tod des damaligen Bürgermeisters František Pavel nicht zu vergessen. Die Kladno Gestapo war einer der Initiatoren der Zerstörung des Dorfes Lidice, mit dem tragischen Höhepunkt der Ermordung von Männern und die Verschleppung der Frauen und ihren Kindern in Konzentrationslager oder zur Umerziehung. Das Gymnasiums war der letzte Aufenthaltsort der Frauen und Kindern vor ihren Transporten ins Reich.

Auch die Nachkriegsgeschichte riß Blaha nur kurz an, da sie u.a. Thema der Studienfahrt 2025 war. Die Entwicklung der Stadt wurde durch den Zustrom von Arbeitskräften und der daraus resultierenden Wohnungsnot bestimmt.

Am 21. August 1968 wurde Kladno zum zweiten Mal innerhalb von dreißig Jahren besetzt, diesmal von den Truppen der Roten Armee.

In den 60-er und 70-er Jahren wurden in der Stadt einige wichtige Infrastrukturmaßnahmen für Sport, Kultur und Freizeit durchgeführt. Im November 1989 und nach dem Besuch von Václav Havel im Dezember, kurz vor seiner Wahl zum Präsidenten einer freien Tschechoslowakei, wurde die Stadt Kladno und ihre Bewohner Teil einer erneuerten demokratischen Gesellschaft.

Einen besonderen Blick warf Filip Bláha auf die Geschichte des Eishockeys in Kladno, die eng mit dem Verein Poldi Kladno und dem Aufstieg der Spieler Jaromír Jágr oder Milan Nový verbunden ist.

Gegründet 1924 als HOSK Kladno, erreichte der Klub als SONP Kladno bzw. später Poldi SONP Kladno in den 1970er Jahren die größten Erfolge. In dieser Zeit gewann der Verein vier von insgesamt sechs tschechoslowakischen Meisterschaften der Vereinsgeschichte und gewann 1977 den Europapokal. In der Folgezeit konnte der Verein nie mehr an diese Erfolge anknüpfen. 2011 gab sich die Profimannschaft einen neuen Beinamen – Rytíři Kladno. Mit dem Meistertitel im Jahr 2021 schafften die Ritter erneut den Aufstieg in die Extraliga.

 

 

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