Franz Beutel (1867-1933)
Franz Beutel, geboren am 21. Januar 1867 in Rosendorf, Bezirk Tetschen, wurde in die Familie eines Kleinbauern geboren. In seiner Jugend zog er nach Aussig. Hier absolvierte er die städtische und bürgerliche Schule und machte eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Er arbeitete in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Ab 1889 war er in Reichenberg für die sozialdemokratische Bewegung aktiv, 1890 gründete er in Aussig den Arbeiter-Lese- und Bildungsverein. 1892 wurde er Mitarbeiter der Zeitschrift „Der Gesellschafter“ und 1896 Herausgeber der dortigen Zeitung „Volksrecht“. Er engagierte sich in der Arbeiterbildung sowie in der Sozial- und Krankenversicherung; 1895 war er maßgeblich an der Gründung des ersten österreichisch-ungarischen Arbeitersanatoriums in Reindlitz bei Aussig beteiligt und war von 1903 bis 1932 dessen Sekretär.
Er war einer der Gründer der erfolgreichen Arbeitergenossenschaften in Aussig (1899 Arbeiterbäckerei Aussig, 1904 Konsumverein „Vorwärts“) und engagierte sich in der Kommunalpolitik (1919–20 Mitglied des Stadtrats von Aussig).
Ab 1903 leitete er die Bezirkskrankenkasse Aussig. Er verließ den Posten des Direktors der Bezirkskrankheitskasse zwei Jahre vor seinem Tod, als er in Rente ging.
Beutel kandidierte mehrmals bei Kommunal- und Landtagswahlen. 1907 wurde er als Kandidat der Sozialdemokratischen Partei für den Wahlkreis Aussig-Karbitz in den österreichischen Reichsrat gewählt. Diesem gehörte er bis 1911 an. Er war Klubobmann der sozialdemokratischen Angeordneten in der ČSR.
Nach dem Ersten Weltkrieg saß er von 1920 bis 1925 in der tschechoslowakischen Nationalversammlung, 1925 zog er für die DSAP auch in das Tschechoslowakische Abgeordnetenhaus ein. 1929 wurde Beutel wiedergewählt und blieb Senator im Prager Parlament bis an sein Lebensende. Dann nahm Josef Goth den Platz ein.
Bei einer Parteiversammlung im Juni 1933 war er von einem schweren Schlaganfall-Angriff betroffen. Im August folgte ein weiterer Angriff, an dessen Folgen er am 12. August 1933 verstarb.
Am 3. September 1933 berichtete Der Kuckuck, die Illustrierte der österreichischen Sozialdemokratie, über die Aufbahrung und die Trauerfeier in Aussig für ihn. Deutsche und tschechische Arbeiter hielten die Totenwache.