Anton Augsten (1874-1954)
Anton Augsten wurde am 20. November 1874 als viertes Kind armer Webersleute in Warnsdorf geboren. Nach der Schule erlernte er bei seinem Bruder das Malerhandwerk. Im Winter arbeitete er in Textilbetrieben. Kaum 16 Jahre alt, im Herbst 1890, trag Augsten bereits dem Allgemeinen Arbeiterverein als Mitglied bei. Er nahm an der ersten Maifeier in Warnsdorf teil, wurde gemaßregelt und war vom November 1893 bis Feber 1895 ununterbrochen auf Wanderschaft. Von 1895 bis 1900 war Augsten in Textilbetrieben beschäftigt, nach dem verlorenen Textilarbeiterstreik kam Augsten wieder auf die schwarzen Listen und griff daher wieder zum Pinsel. Seit 1895 war Augsten Mitglied des Landesvereins der Textilarbeiter mit dem Sitz in Reichenberg. Im gleichen Jahr wurde er Mitbegründer des Arbeiter-Turn und Gesangsvereins „Freiheit“. 1897 heiratete er, 1906 wurde Augsten in die Redaktion der „Volksstimme“ berufen und leitete das Blatt von 1908 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1935. Er schrieb auch für den Reichenberger „Freigeist“ und das „Trautenauer Echo“.
Aus Anlass seines 60. Geburtstages sandte ihm Siegfried Taub folgende Zuschrift: „Im Auftrag des Parteivorstandes habe ich Dir zu Deinem 60. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Indem ich diesem Auftrage des Parteivorstandes nachkomme, halte ich es für meine Pflicht, der außerordentlichen Diente zu gedenken die Du der Gesamtbewegung der Partei von Deinen ersten Jugendjahren an geleistet hast. Du gehörst zu jener alten Garde, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, der Arbeiterbewegung selbstlos und aufopfernd zu dienen. Du hast in schweren Zeiten die Aufgaben, die an Dich herangetreten sind, mit einer seltenen Hingabe erfüllt.“
Anton Augsten stand auch an der Wiege der Genossenschaftsgründung im Jahr 1906. Er war jahrelang Vorsitzender der sozialdemokratischen Kreisorganisation Warnsdorf. Große Verdienste um die Kinderfreundebewegung hatte sich Augsten geschaffen, der mit einigen Helfern die jungen Pioniere der Bewegung betreute, mit ihnen Wanderungen unternahm und Spiele veranstaltete. Beim Einzug der Truppen des III. Reiches war Augsten im September 1938 mit anderen Genossen in Weisswasser, nach der Besetzung Prags ging Augsten, da auch Weisswasser nicht mehr sicher war, zurück nach Jonsdorf, wo er mit Familienangehörigen ein Häuschen hatte.
Am 6. Februar 1940 wurde Augsten von der Gestapo verhaftet, nach Tetschen gebracht, von dort nach Aussig, weiter nach Bremen. Die folgenden Stationen seines Leidensweges: KZ Esterwege, wieder zurück nach Bremen, 10 Tage Ostertorgefängnis, zurück nach Aussig, dann die kleine Festung in Theresienstadt, 8 Wochen Einzelarrest, dann wieder zurück nach Aussig und endlich nach 21 Monaten Entlassung.
Trotzdem wurde Augsten nach Kriegsende von den Tschechen als Deutscher behandelt und ihm seine Rente verweigert. Er suchte und fand Gelegenheitsarbeiten, auch seine Frau half mit und so hielten sich die beiden über Wasser.
Augsten ist am 12. November 1954 an den Folgen eines Schlaganfalls in Marsdorf, Kreis Marburg, wo er nach seiner Aussiedlung lebte, gestorben.
aus: Franz Marschner: „Das Niederland – seine Striktur, seine Menschen und seine Arbeiter-Bewegung“
* Seinem Sohn Anton Augsten jun. gelang mit seiner Frau Frida Hermine (1907-2002) 1939 über Großbritannien (Abfahrt 8.4.1939) die Emigration nach Kanada. Er wurde zunächst in Tupper Creek (Ankunft 22.4.1939) angesiedelt, ab 1941 lebte er in Calgary wo er 1972 verstarb.