Seliger Gemeinde

Die BRÜCKE - unsere Mitglieder- information

Zur aktuellen Ausgabe!

Zum Brücke-Archiv!

Präsidium / Vorstand / Jury

Die am 18. Oktober 2025 gewählte Vorstandschaft finden Sie hier!

Die Jury zur Vergabe des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises finden Sie hier!

75 Jahre Seliger-Gemeinde

Veröffentlicht am 06.08.2026 in Allgemein

Das demokratische Feuer weitertragen

Mit einem bewegenden Festakt und der Eröffnung der Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ hat die Seliger-Gemeinde am 5. August an ihrem Gründungsort in Brannenburg ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Gäste aus Deutschland, Tschechien und Österreich erinnerten an Verfolgung, Vertreibung und politischen Neubeginn – und machten zugleich deutlich: Diese Geschichte bleibt ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft.

Über 40 Mitglieder, Freunde und politische Wegbegleiter waren aus Prag, Berlin, Wien, München und der Region in das heutige ver.di-Bildungszentrum gekommen. Im damaligen Postgewerkschaftshaus hatte am 10. und 11. November 1951 die Gründungsversammlung der Seliger-Gemeinde stattgefunden.
 

Ko-Vorsitzende Christa Naaß erinnerte zu Beginn an die 2025 verstorbene Ehrenvorsitzende Olga Sippl, das letzte noch lebende Gründungsmitglied. Ihr Wunsch, die Seliger-Gemeinde dürfe „nicht spurlos aus der Geschichte verschwinden“, wurde zum Leitmotiv des Nachmittags.

Naaß betonte, die große Geschichte der Gemeinschaft sei nicht nur Erinnerung, sondern Verpflichtung. Gerade angesichts neuer Angriffe auf Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt müsse die Seliger-Gemeinde ihre Stimme weiterhin erheben.

Zugleich stellte sie die neue Jubiläumsbroschüre unter dem Leitgedanken „25 Personen – 25 Themen – 25 Orte“ vor. Grüße kamen unter anderem von der verhinderten tschechischen Generalkonsulin, von Bernd Posselt und vom früheren Bundesvorsitzenden Dr. Peter Becher. Mit Dr. Helmut Eikam nahm ein weiterer ehemaliger Bundesvorsitzender persönlich teil.

Politische Bildungsarbeit ist Friedensarbeit

Die stellvertretende Rosenheimer Landrätin Marianne Loferer griff einen Satz aus der Jubiläumsausstellung auf: „Politische Bildungsarbeit ist Friedensarbeit.“ Damit beschrieb sie treffend die Arbeit der Seliger-Gemeinde. Erinnerung, politische Bildung und grenzüberschreitende Begegnungen seien unverzichtbar, um Vorurteile zu überwinden und demokratische Verständigung zu ermöglichen.

Die wichtigsten politischen Akzente setzten Dr. Bärbel Kofler, Patrik Eichler und Libor Rouček.

Kofler würdigte den Beitrag vertriebener sudetendeutscher Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zum demokratischen Wiederaufbau in Bayern. Noch während des Festakts trat sie spontan der Seliger-Gemeinde bei.

Eichler erinnerte daran, dass die Gemeinschaft den Vertriebenen nach dem Krieg eine neue politische Familie geboten habe. Gerade heute brauche es erneut Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Rouček verband seinen persönlichen Rückblick auf mehr als vier Jahrzehnte Freundschaft mit der Seliger-Gemeinde mit einem klaren Bekenntnis zu Freiheit, Gleichheit, Solidarität und menschlicher Kameradschaft.

Ihre Reden werden in gesonderten Beiträgen ausführlich dokumentiert.

Geschichte als lebendiger Dialog

Einen weiteren Höhepunkt bildete das Gespräch der Historiker Dr. Thomas Oellermann und Dr. Filip Bláha. In einem lebendigen Zwiegespräch spannten sie den Bogen von Josef Seliger und der DSAP über die Erste Tschechoslowakische Republik bis zur heutigen deutsch-tschechischen Verständigung.

Dabei wurde deutlich, dass die sudetendeutsche Sozialdemokratie nicht auf nationale Abschottung, sondern auf demokratische Mitwirkung und den Ausgleich zwischen den Volksgruppen setzte. Auch für die Zukunft der Seliger-Gemeinde seien stärkere Kontakte zur tschechischen Öffentlichkeit und zur jungen Generation notwendig.

Das Historikergespräch wird ebenfalls in einem eigenen Beitrag ausführlicher vorgestellt.

Eine Stimme der Vernunft

Alexander Klein, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, bezeichnete die Seliger-Gemeinde als eine „Stimme der Vernunft“ innerhalb der sudetendeutschen Familie. Sie stehe für historische Verantwortung, Dialogbereitschaft und Verständigung mit den tschechischen Nachbarn.

Im Anschluss wurde die Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer – Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokraten“ eröffnet.

Tobias Wudy erinnerte daran, dass Demokratie nicht nur in Parlamenten und Hauptstädten entstehe, sondern vor Ort gelebt werde. Dr. Thomas Oellermann erläuterte, wie die Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus kleinen Orten Böhmens, Mährens und Schlesiens weit über Europa hinausführten.

Der Brannenburger SPD-Vorsitzende Richard Salomon zeigte sich von der Ausstellung so begeistert, dass sie für weitere vier Wochen in Brannenburg zu sehen sein wird.

Das Feuer weitertragen

In seinem Schlusswort erinnerte der bayerische Landesvorsitzende Herbert Schmid erneut an Olga Sippl und ihr Gedicht „Bevor die letzte Nelke welkt“.

Er verband diese Erinnerung mit dem Gedanken, Tradition bestehe nicht in der Bewahrung der Asche, sondern in der Weitergabe des Feuers. Genau darin liege die Aufgabe der Seliger-Gemeinde: Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern ihre demokratische Kraft weiterzutragen.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Peter Heidler und Herbert Schmid. Mit dem gemeinsamen Lied „Wir schreiten Seit’ an Seit’“, einem Gruppenfoto an historischer Stelle und einem Empfang endete die Jubiläumsfeier.

So kehrte die Seliger-Gemeinde nach 75 Jahren an ihren Gründungsort zurück – als Erinnerung an die Menschen, die sie aufgebaut haben, und als klares Versprechen, das demokratische Feuer nicht verlöschen zu lassen.

Vertiefende Beiträge

  1. Bärbel Kofler: Aus Interesse wird Verbundenheit
  2. Patrik Eichler: Eine politische Familie und die Sehnsucht nach Gemeinschaft
  3. Libor Rouček: Vier Werte, die eine Gemeinschaft tragen
  4. Geschichte im Zwiegespräch: Thomas Oellermann und Filip Bláha

Alexanders- bader Forum

Forum Bad Alexandersbaddie Seliger Gemeinde ging 2018 mit einem neuen Diskussionsformat an den Start

Das Alexandersbader Forum befasst sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen im deutsch-tschechischen Dialog.

mehr dazu hier!

Lorem ipsum

Da immer größeres Interesse deutscher und tschechischer Leserinnen und Leser für diese Publikationen erkennbar ist, erweitert die Seliger-Gemeinde ihr Portfolio um das Format „Lorem ipsum“, das die Lust auf deutsch-tschechische Literatur aufgreift und unterstützen will.

Mehr dazu hier!