
2. Organisierte Hilfe für die Spanische Republik
Die Solidarität mit dem republikanischen Spanien blieb nicht auf Erklärungen, Zeitungsberichte und Kundgebungen beschränkt. Die „Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens“ und die mit ihr verbundenen Organisationen entwickelten eine umfangreiche materielle und humanitäre Hilfe.
Gesammelt wurden Geld, Lebensmittel, Medikamente, Sanitätsmaterial und Dinge des täglichen Bedarfs. Unterstützt wurden die republikanischen Streitkräfte ebenso wie die Zivilbevölkerung, Flüchtlinge, evakuierte Kinder und Angehörige der Internationalen Brigaden. Eine besonders aktive Rolle übernahm dabei die Sozialistische Jugend.
Organisierte Hilfe bis in die Ortsgruppen
Die Spanien-Solidarität wurde organisatorisch bis in die nordböhmischen Ortsgruppen getragen. Im Juni 1938 lud Heinrich Weißbach im Auftrag des Zentralsekretariats der Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens die sozialistischen und demokratischen Organisationen des Warnsdorfer Gebietes zur Gründung einer gemeinsamen Ortsgruppe ein.
Parallel dazu führte der Sozialistische Jugendverband eigene Broschüren- und Hilfsaktionen durch. Im Februar 1938 ließ das Kreissekretariat Bodenbach 250 Spanienbroschüren nach Rumburg, Schluckenau, Schönlinde und Warnsdorf verteilen. Verkauf und Abrechnung sollten innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden. Die erhaltenen Dokumente zeigen, wie planmäßig die Solidaritätsarbeit organisiert war: mit örtlichen Verantwortlichen, festen Fristen und geregelter finanzieller Abwicklung.
Spendensammlungen und Hilfsaktionen
Bereits 1937 wurden nach Angaben der Gesellschaft 1,5 Millionen tschechoslowakische Kronen gesammelt. Bei einer Kundgebung in der Prager Lucerna im Januar 1938 kamen weitere Spenden im Wert von 180.000 Kronen hinzu. Ergänzt wurden die Sammlungen durch eine Kunstlotterie, Blutspendeaktionen und zahlreiche örtliche Hilfsmaßnahmen.
Eine besondere Form der Mobilisierung war der „Opfertag“ im März 1938. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, auf einen Kinobesuch oder andere Vergnügungen zu verzichten und das eingesparte Geld für Spanien zu spenden. Mitglieder der Sozialistischen Jugend gingen von Haus zu Haus und baten um Beiträge für Kämpfer, Frauen und Kinder. Politische Solidarität wurde damit unmittelbar in praktische Hilfe übersetzt.
Die praktische Arbeit der Sozialistischen Jugend
Die Sozialistische Jugend beteiligte sich mit eigenen Aktionen. Sie gab ein Spanien-Abzeichen heraus, dessen Erlös einem Lager baskischer Flüchtlinge in Südfrankreich zugutekam. Außerdem sammelte sie 30.000 Zigaretten für deutsche Angehörige der Internationalen Brigaden, stellte Weihnachtsgeschenke zusammen und verbreitete Broschüren gegen Spenden.
Solche Aktionen erfüllten mehrere Funktionen zugleich: Sie brachten konkrete Hilfe, machten das Thema Spanien im Alltag sichtbar und banden auch jene ein, die nicht an großen Kundgebungen teilnehmen konnten.
Deutsch-tschechische Zusammenarbeit
Die Spanienhilfe wurde auch zu einem Feld deutsch-tschechischer Zusammenarbeit. In einem gemeinsamen Sommerlager im Böhmerwald sammelten Jugendliche 1938 insgesamt 280 Kronen. Eine Hälfte ging an den Staatsverteidigungsfonds, die andere an die Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens.
Darin zeigte sich ein zentraler Gedanke der damaligen Solidaritätsbewegung: Die Hilfe für Spanien und die Verteidigung der Tschechoslowakei wurden als Teile desselben Kampfes für Demokratie und gegen den Faschismus verstanden.
Hilfstransporte und medizinische Unterstützung
Bis Juni 1938 hatte der tschechoslowakische Ausschuss 24 Eisenbahnwaggons mit Hilfsgütern verschickt. Die Lieferungen enthielten vor allem Lebensmittel, Seife, Weihnachtsgeschenke und Sanitätsmaterial.
Zwei Waggonladungen gingen an ein Lager für evakuierte spanische Kinder, weitere Sendungen an das Lazarett „Jan Amos Komenský“. Der Ausschuss unterhielt außerdem eine tschechoslowakische Ambulanz in Spanien und unterstützte Kinderkolonien in Frankreich.
Damit beschränkte sich die Solidarität nicht auf symbolische Gesten. Sie entwickelte sich zu einer organisierten Hilfsstruktur, die Transporte, medizinische Versorgung und die Betreuung von Flüchtlingen miteinander verband.
Hilfe für Frauen und Kinder
Ein besonderer Schwerpunkt galt Frauen und Kindern, die unter Bombardierungen, Vertreibung und Lebensmittelmangel litten. Ein erheblicher Teil der Hilfslieferungen war deshalb für die Zivilbevölkerung und für evakuierte Kinder bestimmt.
Im Frühjahr 1938 mietete der tschechoslowakische Ausschuss in Asnières bei Paris ein Haus für etwa 80 spanische Kinder. Er übernahm Unterkunft und Ernährung, während das spanische Unterrichtsministerium Lehrer und Schulmaterial stellte. Die Hilfe verband damit Schutz und Versorgung mit dem Versuch, den Kindern trotz Krieg und Flucht einen geregelten Alltag und Unterricht zu ermöglichen.
Unterstützung der Internationalen Brigaden
Auch die ausländischen Freiwilligen der Internationalen Brigaden wurden in die Hilfsaktionen einbezogen. Die Sozialistische Jugend schickte Zigaretten und Weihnachtsgeschenke, weitere Sendungen enthielten Sanitätsmaterial und andere dringend benötigte Güter.
Dabei ging es nicht allein um den materiellen Wert der Sendungen. Die Freiwilligen sollten wissen, dass sie nicht vergessen waren. Praktische Hilfe und persönliche Zeichen der Verbundenheit ergänzten einander.
So entstand ein dichtes Netz der Spanienhilfe, das von zentral organisierten Transporten bis zu Sammlungen in einzelnen Ortsgruppen reichte. Geldspenden, Broschürenverkauf, Kinderhilfe, medizinische Unterstützung und kleine persönliche Sendungen waren unterschiedliche Ausdrucksformen derselben Haltung: Die Verteidigung der Spanischen Republik wurde als gemeinsame Aufgabe der demokratischen und sozialistischen Bewegung verstanden.