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Sommerreise 2026 - Vor 90 Jahren: Spanischer Bürgerkrieg

Veröffentlicht am 09.09.2026 in Allgemein

Ernst Paul als Augenzeuge des Spanischen Bürgerkriegs

Im März 1937 reiste der DSAP-Politiker und Journalist Ernst Paul mit einer sechsköpfigen tschechoslowakischen Politiker- und Journalistendelegation in das republikanische Spanien. Was bislang vor allem aus seinen Artikeln im Prager „Sozialdemokrat“ bekannt war, schilderte Paul 1966 im Sudetenjahrbuch noch einmal ausführlich unter dem Titel „Spanische Reise 1937“. Dadurch lassen sich Ablauf und Stationen der Reise heute wesentlich genauer nachvollziehen.

Zur Delegation gehörten neben Paul unter anderem der sozialdemokratische Gewerkschafter und Abgeordnete František Němec, ein Abgeordneter Richter vom linken Flügel der tschechoslowakischen Nationalsozialisten, František Uhlíř aus dem christlich-sozialen Gewerkschaftsmilieu, die Publizistin Pacakova/Panáková sowie ein Brünner Journalist der Lidové noviny. Paul beschrieb die Gruppe später als „fünf Tschechen und einen Deutschen“.

Schon die Einreise zeigte die internationale Dimension des Krieges. Die spanische Gesandtschaft in Prag hatte Visa und einen Geleitbrief ausgestellt, doch wegen der französischen Nichteinmischungspolitik verzögerte sich die Weiterreise. Erst nach mehreren Tagen konnte die Gruppe am 15. März 1937 Richtung Pyrenäen aufbrechen.

Barcelona – Krieg und Propaganda

Über Portbou erreichte die Delegation Spanien. Bereits dort sah Paul erste Kriegsschäden. Nach etwa drei Stunden Fahrt traf die Gruppe in Barcelona ein. Dort wurde sie zunächst vom Informationsminister empfangen und anschließend zum Präsidenten der katalanischen Generalitat, Lluís Companys, weitergeleitet.

Paul erlebte Barcelona als vom Krieg geprägte Stadt. Die Delegation besuchte eine Kriegsschule, Flüchtlingseinrichtungen, Meldestellen für Freiwillige und Lebensmittelverteilungen. Besonders beeindruckte ihn die politische Öffentlichkeitsarbeit. Plakate, Wandbilder und künstlerische Beiträge bestimmten das Stadtbild; Paul schrieb rückblickend, Barcelona habe regelrecht „von Propaganda gebrannt“. Auch aus Deutschland vertriebene Künstler unterstützten die Republik.

Valencia – politisches Zentrum

Am 18. März fuhr die Delegation weiter nach Valencia, dem damaligen Zentrum der republikanischen Regierung. Dort führte sie Gespräche mit mehreren Ministern. Besonders ausführlich erinnerte sich Paul an eine Aussprache mit dem sozialistischen Außenminister Julio Álvarez del Vayo, der offen über die Schwierigkeiten beim Aufbau einer neuen republikanischen Armee berichtete.

In Valencia traf Paul außerdem Julius Deutsch, den früheren militärischen Führer des österreichischen Republikanischen Schutzbundes, sowie den Münchner Rolf Reventlow. Beide vermittelten der Delegation zusätzliche Informationen über die militärische Lage.

Paul setzte sich dort auch mit der nationalsozialistischen Behauptung eines angeblich „kommunistischen Spanien“ auseinander. Seine pointierte Bilanz über die republikanische Regierung lautete: „Von vierzehn Ministern stellten die Kommunisten zwei!“

Für ihn war der Krieg daher vor allem ein Kampf um den Bestand einer demokratischen Republik.

Onteniente, Albacete und Madrid

Am 21. März verließ die Gruppe Valencia Richtung Madrid. Unterwegs besuchte sie in Onteniente ein großes Hospital, das vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Internationale eingerichtet worden war. Danach ging es nach Albacete, dem Zentrum der Internationalen Brigaden.

In Madrid gelangten Paul und Němec bis an die Front am Manzanares und im Universitätsviertel. Sie besichtigten Artilleriestellungen und vorderste Schützengräben. Nur wenige hundert Meter entfernt lagen die gegnerischen Stellungen.

Hier wurde für Paul besonders deutlich, dass Spanien längst nicht mehr nur einen inneren Bürgerkrieg führte. Durch die Unterstützung Francos durch Hitler und Mussolini war der Konflikt zu einem europäischen „Weltkrieg im Kleinen“ geworden.

Daraus leitete Paul seine zentrale politische Botschaft ab:

„Spanien kämpft auch für uns, und darum müssen auch wir für Spanien eintreten!“

Damit stellte er einen direkten Zusammenhang zwischen der Verteidigung der Spanischen Republik und der Zukunft der Demokratie in der Tschechoslowakei her.

Guadalajara und Brihuega

Besonders eindrucksvoll wurde der Besuch der gerade umkämpften Gebiete bei Guadalajara und Brihuega. Dort hatten republikanische Truppen eine von italienischen Verbänden unterstützte Offensive zurückgeschlagen.

Paul sah zurückgelassene italienische Waffen, Fahrzeuge, Munition und Uniformen. Er nahm sogar Herstellerzeichen, eine Soldatenmütze und eine Granathülse als Belegstücke mit. Die Delegation traf außerdem führende republikanische Militärs, darunter Enrique Líster und Vicente Rojo.

Auch italienischen Gefangenen begegnete Paul. Besonders blieb ihm in Erinnerung, dass einige von ihnen das alte sozialistische Lied „Bandiera Rossa“ sangen. Für ihn waren diese Eindrücke ein unmittelbarer Beweis für die massive italienische Intervention.

„Das spanische Volk wird siegen!“

Nach seiner Rückkehr verarbeitete Paul die Reise publizistisch. Am 1. April 1937 erschien im Sozialdemokrat sein erster großer Bericht unter der Überschrift „Das spanische Volk wird siegen!“. Ein weiterer Beitrag folgte unter dem Titel „Wehrprobleme der spanischen Revolution“.

Ein dritter Themen- und Vortragsblock stand unter der Überschrift „Demokratie oder Diktatur“. Damit rückte Paul die grundsätzliche Bedeutung des Krieges in den Mittelpunkt: In Spanien ging es aus seiner Sicht nicht nur um das Schicksal eines Landes, sondern um die Zukunft der europäischen Demokratie.

Auch nach der Reise blieb er in der Spanienhilfe aktiv und trat noch 1938 als Referent der Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spanien auf.

Ernst Pauls Spanienreise war damit weit mehr als ein journalistischer Besuch. Sie verband politische Gespräche, internationale Solidarität und unmittelbare Fronterfahrungen. Für Paul bestätigte sie vor allem eine Überzeugung: Der Kampf um Spanien und die Verteidigung der Demokratie in Mitteleuropa gehörten zusammen.

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