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Ausstellung "Böhmen liegt nicht am Meer" im Gymnasium Teplice/Teplitz

Veröffentlicht am 19.05.2022 in Allgemein

Thomas Oellermann (li.) begeisterte mit enormem Fachwissen und gut vorbereitetem Bildmaterial die Teilnehmer

 

Themenspaziergang zu den Erinnerungsorten der Sozialdemokratie

Begleitprogramm zur Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ in Teplice/Teplitz

Vom 26. April bis zum 17. Mai 2022 war die Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer – Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokraten“ am Gymnasiums Teplice/Teplitz zu sehen. Eröffnet hatte die Ausstellung Thomas Oellermann mit einer historischen Einführung in Geschichte der DSAP im Vortragssaal des Gymnasiums. Zum Ende der Ausstellung bot Oellermann am 17. Mai einen Themenspaziergang durch die Stadt Teplice/Teplitz zu den relevanten Erinnerungsorten der Sozialdemokratie an.

Vor mehr als 100 Jahren wurde die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP) 1919 in Teplitz gegründet. Sie war zeitweilig eine der erfolgreichsten sozialdemokratischen Parteien Europas. Zu­gleich ist sie aber auch eine Partei, deren Geschichte nahezu in Vergessenheit geraten war. Damit sie nicht ganz aus der Geschichte verschwindet, hat die Seliger Gemeinde die neue Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer – Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokraten“ konzipiert. 

Teplitz: Gründungsort und langjähriges Zentrum der DSAP

Anhand der historischen Örtlichkeiten und bekannten Sozialdemokraten aus Teplitz/Teplice führte Thomas Oellermann die Teilnehmer durch die bewegte Geschichte. So wurde am 3. September 1919 in Teplitz in Nordböhmen auf dem Gründungsparteitag die Deutschen Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP) aus der Taufe gehoben. Am Gründungsort in Teplice, dem „Hotel Imperator“, das wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, erinnerte Thomas Oellerman an diese historische Stätte. Die Seliger-Gemeinde hatte 2019 hier „100 Jahre DSAP“ gefeiert. Erst vor kurzem jährte sich der 6. Parteitag der DSAP in Teplitz-Schönau vom 6.-9. Mai 1927 zum 95. Mal.

Lebenswege sudetendeutscher Sozialdemokraten in und um Teplitz/Teplice

Mit einer gewaltigen Rede eröffnete 1919 der zukünftige Parteivorsitzende Josef Seliger den Parteitag. Seliger, geboren am 17. 2. 1870 in Schönborn/ Krasná Studánka, Bezirk Reichenberg in Böhmen, wurde 1893 vom Konsumverein Teplitz/Teplice (bei dem er später auch Aufsichtsratsmitglied und im Ersten Weltkrieg Obmann war) angestellt, um die lokale Partei- und Gewerkschaftsorganisation aufzubauen und begann hier seine politische Karriere. Josef Seliger, der 1920 starb, ist im Friedhof in Teplice-Bystřany begraben.

Neben Josef Seliger fällt im Zusammenhang mit Teplitz/Teplice auch der Name Georg Hans Trapp. Der Grafiker wurde am 1. Dezember 1900 in Eichwald bei Teplitz-Schönau in einfachen Verhältnissen geboren. Einer Lehre als Glasgraveur folgten ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Teplitz-Schönau. In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts folgte eine Arbeit als Grafiker für die Arbeiterbewegung im Sudetenland. Er arbeitete als Zeichner der deutschen sozialdemokratischen Zeitung Freiheit und anderer deutscher sozialdemokratischer Zeitschriften und Publikationen in der Tschechoslowakei. 1938 floh der Künstler vor der deutschen Besetzung des Sudetenlandes nach Norwegen. 1942, zwei Jahre nach der deutschen Besetzung Norwegens, wurde er von der Gestapo gefasst und mit Frau Hanne ins Gestapo-Gefängnis Grini gebracht. 1944/45 war er im Konzentrationslager Flossenbürg und ab August 1944 im Außenlager Hersbruck. Den Todesmarsch nach Dachau überlebte er als einer von nur zwei Überlebenden. Nach der Vertreibung zog er nach Schweden

Mit Volkmar Gabert, der am 11. März 1923 in Dreihunken bei Teplitz-Schönau geboren wurde, ist ein weiterer großer Name mit dem Ort verbunden. Gabert war bereits dort in der Arbeiterjugend aktiv. Gemeinsam mit seinen Eltern emigrierte er als 15jähriger nach Großbritannien und wirkte dort in Exilvorstand sudetendeutscher Sozialdemokraten mit. 1945 gelangte er nach Bayern und stieg in den 50er Jahren in der bayerischen SPD rasch auf. Ab 1986 führte er die Seliger-Gemeinde, den Zusammenschluss sudetendeutscher Sozialdemokraten.

Auch Ernst Paul ist eng mit der Stadt Teplitz/Teplice verbunden. Geboren am 27. April 1897 in Steinsdorf bei Bodenbach war Ernst Paul 1920 nach Teplitz-Schönau gekommen und traf dort schon auf Wenzel Jaksch, der als Sekretär des sozialdemokratischen Kleinbauernverbandes in Teplitz arbeitete. Beide prägten die DSAP und später die Seliger-Gemeinde.

Natürlich durfte beim Themenspaziergang der Standort des Teplitzer Konsumvereins nicht fehlen. Die Bildung ihrer Mitglieder war für die Sozialdemokratie eine der Kernaufgaben. So sollten die Mitglieder in ihrer Überzeugung gefestigt werden und es sollten ihnen neue Argumente für die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner beigebracht werden. Neben Volksbuchhandlungen, die dieses Ziel verfolgten, entstanden auch eigene Arbeiterbibliotheken, über die sozialdemokratische Literatur bezogen werden konnte. Die Teplitzer Bibliothek hatte ihren Sitz im Gewerkschaftshaus, der Villa Austria, ein weiterer Themenpunkt des Rundganges.

Thomas Oellermann beendete seinen thematischen Spaziergang am ehemaligen Sitz der deutschen sozialdemokratischen Zeitung „Freiheit“. Hier arbeiteten unter anderen Josef Seliger und Josef Hofbauer (1886–1948), Schriftsteller, Autor des bedeutenden Antikriegsbuches „Marsch ins Chaos“ und einer Biografie von Tomáš Garrigue Masaryk („Der große alte Mann“).

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