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Kriegsende 1945

Veröffentlicht am 08.05.2023 in Allgemein

Kriegsende 1945 – Tage der Freiheit für die sudetendeutschen Sozialdemokraten

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs der Zweite Weltkrieg in Europa. Gewiss war die Bevölkerung erleichtert, als der Krieg mit dem Vormarsch der Alliierten vorüber war. Man war noch einmal mit dem Leben davongekommen. Natürlich bedeutete insbesondere für KZ-Insassen, überlebende Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Verfolgte und Gegner des NS-Regimes der Einmarsch der Alliierten eine Befreiung. Für die ganz überwiegende Zahl der Deutschen aber nicht. Für sie war es eine bittere Niederlage, hatten sie sich doch gegen die Eroberung und Besetzung ihres Landes durch die Sieger gewehrt.

Für die Sozialdemokraten, Kommunisten und sonstige NS-Gegner, welche nach der Besetzung im Sudetenland geblieben waren, war es auf jeden Fall eine Befreiung. Ihr mentaler und physischer Widerstand war bis zuletzt ungebrochen. Doch auch sie wurden am Kriegsende enttäuscht. Ächtung, Bestrafung und Rache an den Deutschen erfasste auch sie. Zahlreiche NS-Gegner wurden Opfer der "wilden Vertreibungen" sofort nach Kriegsende. Der geordneten Vertreibung entgingen nur anerkannte Antifaschisten.

Da auch später im Alltag wenig Rücksicht auf den Status der Antifaschisten genommen wurde und zusätzlich zur materiellen Not auch das deutschsprachige kulturelle und gesellschaftliche Leben völlig zum Erliegen kam, entschlossen sich viele anerkannten Antifaschisten, die Tschechoslowakei im Zuge von Sonderaussiedlungen zu verlassen.

Die Amerikaner befreiten Westböhmen

Aufgrund des raschen militärischen Fortschrittes der westlichen Alliierten bei der Befreiung Europas stimmte die Rote Armee im Frühjahr 1945 notgedrungen zu, dass US-Truppen in die westlichen Teile der Tschechoslowakei vorrücken durften. Eigentlich war die Tschechoslowakei zu diesem Zeitpunkt bereits fest der sowjetischen Einflusssphäre zugedacht gewesen; die Rote Armee war allerdings noch intensiv mit der Befreiung Wiens und Berlins befasst. Westböhmen und Pilsen wurden deshalb von den Amerikanern befreit.

Die Befreiung durch die Amerikaner ist seit den 90er Jahren wieder sehr präsent. Nicht nur Pilsen gedenkt mit regelmäßigen Feierlichkeiten und einem eigenen Museum der Befreiung durch die Amerikaner im Jahr 1945. Man will sich abwenden von dem verkehrten Bild, das die Kommunisten über Jahrzehnte geschaffen hatten: dass die Rote Armee 1945 die komplette Tschechoslowakei befreit hätte.

Die US-Truppen rückten im Mai 1945 bis an die vereinbarte Demarkationslinie vor, die gedanklich die tschechischen Städte Karlsbad, Pilsen und Budweis verband und sich meist entlang von Flüssen, Straßen und Eisenbahnlinien bewegte. Der Verlauf der Linie hatte vorrangig logistische Gründe – es sollte eine möglichst direkte Verbindung zwischen US-Truppen in Sachsen und Oberösterreich hergestellt werden. Durch die
Demarkationslinie wurde auch das fast ausschließlich von Deutschen besiedelte Sudetenland, das zwischen 1938 und 1945 ins Deutschen Reich eingegliedert war, zwischen Amerikanern und Roter Armee aufgeteilt.

Vor allem die anrückende Rote Armee löste bei den meisten Menschen eher Angst als Hoffnung aus. Die Einwohner wehrten sich nicht, sondern hissten weiße Fahnen. Nur vereinzelt leisteten vor allem SS-Einheiten teils erbitterten Widerstand. Noch am 8. Mai erschien in Reichenberg (Liberec) die Zeitung „Die Zeit“ mit einem flammenden Appell zur Verteidigung der Heimat des Reichsstatthalters Konrad Heinlein, der sich anschließend Richtung Westen in amerikanische Kriegsgefangenschaft abgesetzt hatte.

Der Krieg dauerte in Böhmen bis zum 12. Mai 1945

Das Kriegsende war in Böhmen geprägt von großen Menschenbewegungen. Die Städte waren überfüllt. Auf dem Gebiet des Sudetenlandes befanden sich Hunderttausende Zwangsarbeiter ganz unterschiedlicher Herkunft. Dazu kamen Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und aus Sachsen. All diese Menschen gerieten - mit den Einheimischen - in den letzten Kriegstagen zwischen die Fronten.

Noch am 8. und 9. Mai ließ die Luftwaffe der Roten Armee Städte in Böhmen und Mähren bombardieren. Die Angriffe forderten allein in Nordböhmen über 500 Opfer, in ganz Tschechien weit über 1.000. Am schwersten war Tetschen (Děčín) betroffen. Am Tag der deutschen Kapitulation wurde das historische Stadtzentrum zerstört. Doch einzelne Verbände kämpften noch bis zum 12. Mai weiter.

Die Folgen des Krieges – und nichts daraus gelernt!

Der von Hitler ausgelöste Krieg hat über 65 Millionen Menschen das Leben gekostet und das Antlitz Europas gravierend verändert. Auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Europa folgte eine Welle von Flucht und Vertreibung. Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen als die Grenzen Europas neu gezogen wurden.

Rund 80 Jahre später sind Flucht und Vertreibung heute präsenter denn jemals zuvor. 2024 sind weltweit fast 100 Mill. Menschen auf der Flucht – ein neuer Rekord seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

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