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seliger-online: Online-Gedenkfeier der Seliger-Gemeinde mit dem AvS

Veröffentlicht am 15.05.2025 in Allgemein

Online-Gedenkveranstaltung im Format seliger-online mit einem starken Statement: „Nie wieder!“

Wir erinnern an verfolgte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten

Online-Gedenkfeier der Seliger-Gemeinde mit dem Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS) zu 80 Jahre Kriegsende am 14. Mai 2025

Am 8. Mai 2025 war es 80 Jahre her, dass mit dem Kriegsende in Europa auch die nationalsozialistische Herrschaft von Gewalt, Unterdrückung und Terror ihr Ende fand. Millionen Menschen waren von den Nationalsozialisten ermordet worden. Europa lag in Trümmern. Der Krieg hatte großes Leid gebracht. Es kann von daher heute nur ein „Nie wieder“ gehen. Nie wieder darf es in Europa zu Diktaturen und Gewaltherrschaft kommen.

Im Rahmen einer virtuellen Gedenkveranstaltung gedachte die Seliger-Gemeinde mit dem Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS) an die deutschen und sudetendeutschen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Ihre Geschichte soll uns eine Mahnung sein, uns heute aktiv für unsere Demokratie einzusetzen. 

Präsidiumsmitglied Thomas Oellermann begrüßte die über 20 Teilnehmer aus allen Teilen Deuschlands, insbesondere die Vertreter des Arbeitskreises ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS), allen voran den Vorsitzenden Wolfgang Kopitzsch sowie den stellvertretenden Vorsitzenden Holger Martens. Ollermann freute sich über die wachsende Zusammenarbeit mit dem AvS und sprach davon, in der virtuellen Welt eine Brücke in den Norden geschlagen zu haben. Der Historiker erinnerste an die beisen Präsenz-Veranstaltungen der Seliger-Gemeinde zum Gedenken in Tachau/Tachov und Flossenbürg anlässlich des Frühjahrsseminars 2025 sowie die Teilnahme am Gedenken in der Gedenkstätte Konzentrationslager Dachau vor wenigen Tagen.

Holger Martens dankte der Seliger-Gemeinde für die Initiative und Duchführung der online Gedenkfeier, biete sie doch eine Möglichkeit die entstandene Nord-Süd-Achse mit Leben zu erfüllen. Martens stellte kurz den AvS vor, und erklärte, dass dieser Arbeitskreis im Jahr 2016 aus der Fusion der Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten und des Arbeitskreis der politischen Häftlinge in der SBZ/DDR hervorging. Der Arbeitskreis kümmere sich um das Erbe der Verfolgten und inhaftierten Sozialdemokraten und die sich daraus ergebende politische Verpflichtung. „Der AvS will aber auch die sozialdemokratischen Traditionen des politischen Widerstands gegen Gewaltherrschaft wach halten, das Gedenken an die Opfer der Diktaturen bewahren sowie Neonazismus, Rassismus und Extremismus bekämpfen“, so Martens.

Was ist der Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS)?

Holger Martens berichtete kurz aus der Geschichte des AvS. Zunächst wirkten viele ehemals NS-verfolgte Sozialdemokraten in der gesamtdeutschen, an und für sich überparteilichen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) mit. Die Hauptaufgabe war, die NS-Verfolgten über ihre Wiedergutmachungsansprüche aufzuklären und zu beraten. Die VVN wurde zunehmend von den Kommunisten dominiert und auf dem Düsseldorfer Parteitag (12.–14. September 1948) fassten die Delegierten schließlich einen Unvereinbarkeitsbeschluss für die gleichzeitige Mitgliedschaft in der SPD und der VVN. Auf Anregung der SPD-Führung um Kurt Schumacher wurde Ende 1948 die AvS gegründet. Anders als der konkurrierenden VVN gelang es der AvS nicht, kontinuierlich eigenständige Aktivitäten zu entfalten. Im Jahr 1979 wurde die AvS reaktiviert, um mehr Aufklärungsarbeit über die Zeit des Nationalsozialismus zu leisten und zugleich rechtsextremistischen Aktivitäten besonders in der Neuen Rechten entgegenzutreten. Vor allem Heinz Putzrath trat gegen die Vernachlässigung der Geschichte ein. 1983 wurde er zum Vorsitzenden der „Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten“ gewählt. Ihm folgte 1996 Susanne Miller. Unter ihrem Vorsitz beschloss die AvS, auch mit durch die SED verfolgten Sozialdemokraten zusammenzuarbeiten, später schlossen sich die beiden Gruppen zusammen. Am 25. Oktober 2010 hob der SPD-Parteivorstand anlässlich der neuen Satzung den Unvereinbarkeitsbeschluss VVN-SPD auf.

Wie Martens weiter berichtete, hat der AvS heute nur noch sehr wenige, hochbetagte Mitglieder aus dem Widerstand. Bei der Vorstandswahl am 29. Oktober 2016 wurde Wolfgang Kopitzsch zum Vorsitzenden und Holger Martens zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Mehr und mehr hat sich der Schwerpunkt der AvS auf den noch aktiven Ableger in Hamburg verlegt. „Seit März 2018 findet jährlich die Jahrestagung der AvS in Hamburg statt, wo Historiker, aber vor allem Nachkommen verfolgten Sozialdemokraten sich treffen und austauschen können“, so Marten sund verwies abschließend auf eine Neugründung des AvS in Flensburg.

Die Verfolgung deutscher und sudetendeutscher Sozialdemokraten

Nachdem Holger Martens kurz die Verfolgung der deutschen Sozialdemokraten durch den Nationalsozialismus angerissen hatte und dabei das Fehlen belastbarer Zahlen bedauerte, griff Thomas Oellermann die Verfolgung der sudetdnedeutschen Sozialdemokraten auf und kam zum selben Schluss: Es gibt keine genauen Zahlen für die genaue Anzahl der verfolgten Sozialdemokraten. Es ist schwer, die genaue Anzahl der Opfer während der NS-Zeit zu bestimmen.

Die Verfolgung sozialdemokratischer Politiker und Parteimitglieder unter dem Nationalsozialismus war in Deutschland und in der Tschechoslowakei umfassend und systematisch. Die deutsche SPD wurde 1933, die sudetendeutsche DSAP 1938 verboten, und viele ihrer Mitglieder wurden eingesperrt, ermordet oder mussten ins Exil gehen. Zu Tausenden wurden 1933 Oppositionelle von lokalen SA-Gruppen in „wilden Konzentrationslagern“ interniert und misshandelt. Hier beglichen die neuen Machthaber manche alte Rechnung aus den Zeiten des Straßenkampfes und ließen ihren jahrelangen Ressentiments gegen „die Roten“ freien Lauf.

Im Sudetenland verübten Angehörige  des Sudetendeutschen Freikorps (SFK) bereits ab dem 19. September 1938, ausgehend vom Altreich, bewaffnete Überfälle auf tschechoslowakische Einrichtungen im Grenzland, um die Tschechoslowakei zu destabilisieren und die Sudetendeutschen vor angeblichen tschechischen Übergriffen zu schützen. Insgesamt führten SFK-Trupps mehr als 200 Terroraktionen durch, töteten dabei über 100 Menschen und entführten etwa 2000 Opfer ins Deutsche Reich. Nach dem Münchner Abkommen wiederholte sich das Vorgehen der Gestapo im Sudetenland wie 1933 im Altreich: Politische Gegner wurden verhaftet, eingeschüchtert, gefoltert und z.T. wieder freigelassen – um sie anschließend an die Front zu schicken.

Warum braucht es heute eine aktive Erinnerung an die Verfolgung von Demokrat_innen durch die Nationalsozialisten?

Die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, Christa Naaß, erklärte, dass das wichtige Gedenkjahr 2025 die Geschehnisse von vor 80 Jahren in die Gegenwart transportiere, um die Erfahrungen aus der Befreiung der Konzentrationslager, dem Kriegsende aber auch von Flucht und Vertreibung lebendig zu erhalten. Gerade zu Zeiten weltweit riesiger Fluchbewegungen sei dies wichtig. Unsere Erfahrungen mit Integration und die Bedeutung einer guten Aufnahme Geflüchtete sei hier entscheiden.

„Erinnerungskultur gehört zu einer demokratischen Geschichtskultur und ist Kern unseres demokratischen Zusammenlebens“, zitierte Naaß die Worte von Prof. Dr. Skriebeleit, dem Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, beim Gedenkakt der Seliger-Gemeinde. Und ergänzte: „Es darf auch kein Ende des Erinnerns und damit einer Erinnerungskultur geben!“ Hier verwieß Naaß darauf, wie schwer sich die deutsche Öffentlichkeit damit getan habe udn wie lange es gedauert habe bis es endlich in den 80er Jahren möglich war aus Konzentrationslagern Orte der Lernkultur zu machen. Man müsse gerade gegenüber der tschechischen Bevölkerung entsprechend Geduld aufbringen, da hier ja erst nach der Samtenen Revolution diese Themen überhaupt erst angesprochen und aufgegriffen werden konnten. „Erinnerung kann mit den Tschen nur gemeinsam, nicht gegen und nicht ohne sie erfolgen“, so Naaß.

Die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde schloss ihre Ausführungen mit der Forderung: „Die Erinnerung an die Ereignisse der Jahre 1945 und 1946 verpflichtet uns vor allem zu dreierlei: zu einer Erinnerungskultur, die dem Frieden dient; zum Kampf für Demokratie und Rechtstaatlichkeit; sowie zum verstärkten Einsatz für ein geeintes Europa. – Nie wieder Gewaltherrschaft!“

Stellvertretend für Andere

Erinnerung an Gestern – Statement für Heute

Anschließend stellten Vertreter der Seliger-Gemeinde und Vertreter des AvS jeweils zwei

verfolgte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in kurzen Lebensläufen vor: Dr. Christel Oldenburg, Bürgerschaftsabgeordnete Hamburg a.D., präsentierte den Lebensweg von Wilhelm Osterhold; Ulrich Miksch, Mitglied im Präsidium der Seliger-Gemeinde, sprach über Marie Günzl; Wolfgang Kopitzsch, Bundesvorsitzender des Arbeitskreises ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten, referierte über seinen Vater Walter Kopitzsch und Helena Päßler, Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde stellte den sudetendeutschen Künstler Georg Hans Trapp vor.

Diesen Beiträgen folgte eine Gedenkminute, bei der weitere Namen verfolgter deutscher und sudetendeutscher Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten eingeblendet wurden. Schließlich rief Thomas Oellermann zu einer gemeinsamen virtuellen Kundgebung zum Abschluss der Veranstaltung auf. Die Teilnehmer hielten Plakate mit der Aufschrift „Nie wieder“ in die Kamera. So endete die erste virtuelle Gedenkveranstaltung der Seliger-Gemeinde mit dem Arbeitskreis ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS) zu 80 Jahre Kriegsende mit einem deutlichen Signal.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet ist auf unserem YOUTUBE-Kanal veröffentlicht.

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