v.l.: Bundesvorsitzende Helena Päßler, Präsidiumsmitglied Thomas Oellermann und der Präsidenten der Demokratischen Masaryk-Akademie Vladimír Špidla
„Wir sind auf einer gemeinsamen Expedition“
Sommerempfang der Seliger-Gemeinde in Prag – mahnende Worte der Bundesvorsitzenden Helena Päßler und dem Präsidenten der Demokratischen Masaryk-Akademie Vladimír Špidla
Gemeinsam mit der Demokratischen Masaryk-Akademie veranstaltete die Seliger-Gemeinde am 21. August 2025 erstmals einen Sommerempfang in Prag zu dem eine Reihe prominenter Gäste ins Atrium Žižkov eingeladen waren. Unter Ihnen die Leiterin der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Prag Susanne Lindsay gekommen, der neue Leiter des Collegium Bohemicum in Aussig Jan Vondrouš, der deutsche Vorsitzende des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums Jörg Nürnberger und der Direktor der Masaryk-Akademie Patrik Eichler. In diesem Rahmen stellte Thomas Oellermann die beiden aktuellen Projekte der Seliger-Gemeinde, die Ausstellung zu Georg Hans Trapp und das Gedenkbuch der sudetendeutschen Sozialdemokratie, die nunmehr erstmals in Prag gezeigt wurden, vor. Bundesvorsitzende Helena Päßler begrüßte die Gäste und Thomas Oellermann führte durch das Programm. Unterstützt wurde der Empfang durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Helena Päßler erinnerte in Ihrer Rede daran, dass „heute vor 57 Jahren der Prager Frühling gewaltsam beendet wurde. Eine kurze und hoffnungsvolle Zeit ging zu Ende. Es begann ein langanhaltender, mehr als 20-jähriger harter und grausamer Winter.“ Sie erinnerte an die unzähligen Opfer des kalten Krieges und nannte Jan Palach, Jan Zajíc, die sich verbrannten, stellvertretend für alle weiteren Todesopfer. Weiter gedachte sie dem Übersetzer und ehemaligen Oberbürgermeister von Prag, Jaroslav Kořán, den man zum Bau der U-Bahn verdammte und der dabei schreckliche Verbrennungen erlitt, die ihm ein Leben lang blieben. Nach Angaben von Historikern verließen in der Zeit von 1968 bis 1989 etwa 300.000 Tschechoslowaken ihre Heimat, darunter viele Intellektuelle. Freiwillig und unfreiwillig. „Libor Rouček, Milan Horáček sind auch gegangen“, so Päßler und begrüßte die beiden Ehrengäste des Empfangs.
So lange Despoten das Sagen hätten, werde immer und überall Demokratie mit Füßen getreten, führte Helena Päßler weiter aus. „Menschen, die für sie eintreten und kämpfen, werden zum Stillschweigen gebracht oder sogar umgebracht. Umso wichtiger ist es uns, den Nachkommen der sudetendeutschen Sozialdemokraten, nicht zu vergessen und Zeichen zu setzen. Nie wieder!“, so Päßler zum Schluss ihrer Ausführungen.
Anschließend sprach Vladimír Špidla, der Präsident der Masaryk-Akademie, ehemaliger Ministerpräsident Tschechiens und EU-Kommissar seines Landes. „Wir leben in stürmischen Zeiten. Man kann sagen, fast nichts ist sicher. Demokratie, Menschenrechte und selbst die Grenzen der Staaten sind nicht mehr sicher. Alles ist im Wandel und in Bewegung. Und Dialog darüber ist wichtig. Aber die Seliger-Gemeinde und die Demokratische Masaryk-Akademie haben etwas mehr als nur einen Dialog. Wir sind auf einer gemeinsamen Expedition. Das ist etwas tiefer als nur miteinander zu sprechen. Unsere Haltung ist kämpferisch gegen Nationalismus und Totalitarismus. Für Demokratie muß man kämpfen. Ohne Anstrengung kommt auch irgendeine Zukunft, aber das ist natürlich eine Zukunft, die wir nicht wollen.“ Deshalb rief er die Seliger-Gemeinde auf, weiter in der gemeinsamen Expedition unterwegs zu sein.
Interessante Gespräche und ein köstliches Buffett rundeten den schönen Sommerabend in Prag ab.
