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Studienfahrt 2025

Veröffentlicht am 29.08.2025 in Allgemein

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Wie könnte das Thema der 4. Studienfahrt der Seliger-Gemeinde besser dargestellt werden als mit diesem Schnappschuss – entstanden am Bahnhof Bodenbach/Podmokly vor der Rückfahrt nach Prag? Bundesvorsitzende Helena Päßler (li.) und Libor Rouček (re.) mit einer Hippie-Gruppe. Die Hippiebewegung der 1960er und 70er Jahre war eng mit der Friedensbewegung verbunden, die sich gegen den Vietnamkrieg und andere Kriege richtete. Hippies verkörperten die Ideale von Liebe, Frieden und Gewaltlosigkeit, die sie durch «Flowerpower» und das Motto «Macht Liebe, nicht Krieg» zum Ausdruck brachten. Sie schufen Symbole wie das Friedenszeichen, um ihre pazifistischen Überzeugungen zu verbreiten.

 

„Nie wieder!“ - 80 Jahre Kriegsende

Die 4. Studienfahrt der Seliger-Gemeinde vom 21.-24. August 2025

Die Seliger-Gemeinde kam auch dieses Jahr wieder ins sommerliche Prag – nur dass wir dieses Mal die heißesten Tage knapp verpasst haben. Wieder ging es darum, neue Orte zu erkunden und mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen. Dies ist unserem Organisator Thomas Oellermann in gewohnter Weise sehr gut gelungen. Zugleich wollten wir als Seliger-Gemeinde in diesem Jahr, da vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg endete und das „Nie wieder“ lauter denn je erklingen sollte, klare Zeichen setzen. Wir stehen in der Tradition der Sudetendeutschen, die sich gegen den Wahnsinn des Nationalsozialismus stellten. Das sollte auch in diesem Jahr das Leitmotiv sein.

Erstmalig boten wir in diesem Jahr zwei Ausflüge an. Wir fuhren nach Kladno, in die unbekannte Stadt, die man aber kennenlernen sollte. Und am Samstag ging es dann in eine der großen Hochburgen der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), nach Bodenbach. Hier begaben wir uns auf die Suche nach den Spuren der DSAP. Ein herzlicher Dank gilt den Förderern dieser Studienfahrt, allen voran dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond, der Demokratischen Masaryk-Akademie und der Ernst- und Gisela-Paulstiftung, ohne deren finanzielle Unterstützung diese Studienfahrt nicht zustande gekommen wäre.

Wie gewohnt klappte die individuelle Anreise am Donnerstag nach Prag sehr gut, auch wenn die Bahn dieses Mal mit etwas Verspätung glänzte, aber alles im grünen Bereich, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studienfahrt rechtzeitig zum Empfang ins Atrium Žižkov kommen konnten. Gemeinsam mit der Demokratischen Masaryk-Akademie veranstaltete die Seliger-Gemeinde erstmals einen Sommerempfang in Prag zu dem eine Reihe prominenter Gäste eingeladen waren. In diesem Rahmen wurde die Ausstellung GHT – frühe Werke von Georg Hans Trapp gezeigt und das Gedenkbuch der sudetendeutschen Sozialdemokratie vorgestellt. Unsere Bundesvorsitzende Helena Päßler begrüßte die Gäste und Thomas Oellermann führte durch das Programm. Interessante Gespräche und ein köstliches Buffett rundeten den schönen Sommerabend in Prag ab.

Bundesvorsitzende Helena Päßler spricht am Holocaust-Mahnmal in Holešovice

Gedenkveranstaltung in Holešovice

Schon um 8:00 Uhr morgens traf sich die Gruppe am Freitag vor dem Übernachtungshotel Olšanka, um mit dem ÖPNV zum ehemaligen Parkhotel im Prager Stadtteil Holešovice zu fahren. Nach Ausbruch des Krieges wurde das Gelände auf dem das Hotel steht, von den deutschen Besatzungsbehörden beschlagnahmt und diente ab 1941 als Sammelstelle für die jüdischen Einwohner aus Prag und Umgebung. Von November 1941 bis März 1945 wurden vom nahe gelegenen Bahnhof Bubny 69 Transporte zunächst ins Ghetto in Łódź, später nach Theresienstadt durchgeführt. Die überwiegende Mehrheit der Deportierten kehrte nicht mehr nach Prag zurück und wurde von den Nationalsozialisten ermordet Zur Erinnerung an das Sammellager wurde eine massive Gedenktafel an der Stützmauer unterhalb des Hotels angebracht. Hier erinnerte unsere Bundesvorsitzende Helena Päßler an die jüdischen Menschen, die von dort in die Vernichtungslager deportiert worden waren.

Weiter ging es zum Willy-Brandt-Park in Prag 6, wo die Seliger-Gemeinde bei der Studienfahrt 2024 eine Baumpatenschaft für Wenzel Jaksch und Josef Hofbauer übernahm. Mitglieder beider Familien hatten daran teilgenommen. Der Baum wächst gut und wurde von den Teilnehmern unserer Gruppe gegossen.

Schließlich startete die Teilnehmergruppe vom Bahnhof Praha-Dejvice in die ca. 25 km entfernte Industriestadt Kladno/Kladen, wo sie vom Referenten Dr. Filip Bláha erwartet wurde. Bláha ist seit 09/2024 Beauftragter der Stadt Kladno für die Stadtgeschichte und hat u. a. die Ausstellung Das Jahr 0. Kladno 1945–1946, die an die entscheidenden Momente des Endes des Zweiten Weltkriegs und des ersten Nachkriegsjahres in der Stadt erinnert, kuratiert. Die Ausstellung bildete den Abschluss der Exkursion, nach dem die Teilnehmergruppe das unverwechselbare Wahrzeichen der Stadt, die Rozdělover Türme, besuchten. Beim Stadtrundgang besichtigte die Gruppe unter anderem das Bergbau-Volkshaus, das heute Sitz einer Sparkasse ist. Die Mittagspause fand im Arbeiterhaus am Freiheitsplatz (Restaurace Hladinka, Náměstí Svobody) statt. Das Gebäude gehört heute noch der Bezirksorganisation der Sozialdemokratischen Partei (Socdem) in Kladno. Auch unser Mitglied Libor Rouček, der in Kladno geboren wurde, hatte hier sein Abgeordnetenbüro.

Gruppenbild an der Gedenktafel im Masaryk-Bahnhof 

Zurück ging es wieder mit dem Zug zur Station Praha Masarykovo nádraží. Der Masaryk-Bahnhof ist ein wichtiger Regionalbahnhof und früherer Fernbahnhof in Prag. Erbaut wurde er in den Jahren 1844/45 und ist damit der älteste Bahnhof in Prag. Auf diesem Prager Bahnhof ist 2015 eine Gedenktafel enthüllt worden, die an die Tschechen, Juden und deutsche Antifaschisten erinnert, die 1938 von den Nazis aus den tschechoslowakischen Grenzgebieten vertrieben wurden.

Auch am Samstag ging es bereits um 8:00 Uhr morgens los, denn es stand die Exkursion nach Bodenbach/Podmokly, einem historischen Zentrum der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), auf dem Plan.

Auf Spurensuche in Bodenbach

Zu den Zentren der deutschen Arbeiterbewegung in den böhmischen Ländern gehörte das nordböhmische Bodenbach. Einige bis heute erhaltene Gebäude zeugen von der Stärke der dortigen Sozialdemokratie, zu deren bedeutendsten Vertretern Richard und Almar Reitzner, Franz Kögler sowie Fritz Kessler zu zählen sind. Thomas Oellermann, unterstützt vom Bodenbacher Stadtrat und Archivar Otto Chmelík sowie dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei (Socdem) Děčin, Jaroslav Horák, führten die Gruppe zur ehemaligen Druckerei Gärtner, dem ehemaligen Zentralgebäude der Konsumgenossenschaft Bodenbach mit der Volksbuchhandlung des Genossen Kögler, der Redaktion des Nördböhmischen Volksboten und einem Konsumladen sowie zu den ehemaligen Immobilien der Wohnungsbaugenossenschaft Bodenbach, dem Victor-Adler- und dem Karl-Cermak-Haus. Hier referierte Erika Kalkofen-Frahne zu Willi Hocke und zur Geschichte der Bodenbacher Arbeiterbewegung.

Die Teilnehmergruppe mit der Leiterin des Jugendheims Světluše Hochwalderová im Saal der ehemaligen Volkshalle

Das Zentrum der Bodenbacher Sozialdemokratie war aber die Volkshalle, unweit des heutigen Tetschener Hauptbahnhofs und in Sichtweite der Synagoge. Dort fanden Versammlungen der DSAP, von Gewerkschaften und Kulturverbänden statt. Hier tagte auch die Bodenbacher Vertretung des Arbeiter-Turn- und Sportverbandes ATUS. Das ursprünglich Hohes Haus genannte Gebäude war 1904 durch die Sozialdemokraten erworben worden. Der Betrieb finanzierte sich vor allem durch ein integriertes Wirtshaus. Als im September 1938 die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins in den deutschen Gebieten der Tschechoslowakei Unruhen provozierte, wurde auch die Bodenbacher Volkshalle zum Ziel. Heute ist in dem Haus ein erstklassiges Jugendzentrum untergebracht, das die Gruppe mit der Leiterin Světluše Hochwalderová besichtigen konnte. Dabei erschloss sich ihnen die Größe und Ausstattung der ehemaligen Volkshalle, aber auch die sinnvolle Nachnutzung.

Das obligatorische Ende der Studienfahrt fand erneut mit einem gemeinsamen Abendessen in der Pizzeria Cihelna La Famiglia im Prager Ortsteil Karlín statt. Eben in jenem Gebäude, in dem die SOPADE, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands im Exil, 1933 ihren Sitz hatte.

Über den Sonntag als offiziellen Rückreisetag nutzten einige Teilnehmer die Möglichkeit noch ein paar letzte Urlaubstage in Prag anzuhängen. In den kommenden Tagen werden wir noch einige Programmpunkte ausführlicher vorstellen und diese abschließend in einer Broschüre zusammenfassen!

 

 

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