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Bedeutende Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 07.09.2025 in Allgemein

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Willi Hocke (1896-1962)

Zentralsekretär der Kinderfreunde

Willibald „Willi“ Hocke, geboren am 27.12.1896 in Wilsdorf bei Bodenbach, war schon im alten Österreich Funktionär des Verbandes jugendlicher Arbeiter, später der Sozialistischen Jugend. Ab 1931 Zentralsekretär des von ihm organisierten Arbeitervereins „Die Kinderfreunde“ in der ČSR, eines der bedeutsamsten Erziehungswerke der sudetendeutschen sozialdemokratischen Kulturgemeinschaft. Der „Arbeiterverein Kinderfreunde“ und sein Jugendbund „Die Falken“ waren die Vorschulen der sudetendeutschen Arbeiterbewegung.

Hocke redigierte in seiner Funktion die Zeitschrift „Der Kinderfreund“ und „Die Junge Welt“. Er brachte auch alle Voraussetzungen hierfür mit: politisch geschult als Funktionär des Verbandes der Sozialistischen Jugend, eignete er sich als Leiter der Volksbuchhandlung ein profundes Wissen an und erhielt seine politische Profilierung als DSAP-Bezirkssekretär in Bodenbach (1926-1931). „Er war von geradliniger Art und besaß Strahlkraft dank seiner durch nichts zu erschütternden politischen Überzeugung. Willi Hocke hatte als Organisationssekretär in zäher Arbeit aus kleinen Anfängen ein Werk mitgeschaffen, durch das den Arbeiterkindern der Weg aus den dumpfen Stuben in lichte Heime und zu frohen Erlebnissen in der Natur geebnet und ihnen so eine fröhlichere Kindheit beschieden wurde“ (aus: Aufzeichnung der Geschichte der Kinderfreunde im Sudetenjahrbuch 1957). Das Zeltlager der Roten Falken in Steinsdorf im Jahr 1938 war seine letzte organisatorische Tat in der alten Heimat.

Seinem hohen Ansehen innerhalb der Sozialistischen Bildungsinternationale und seiner Freundschaft mit führenden Persönlichkeiten der belgischen Arbeiterbewegung war es zu verdanken, dass die sudetendeutsche Sozialdemokratie in ihrer Notzeit 1938 von Belgien ein, wenn auch bloß zeitlich begrenztes, Refugium für Flüchtlinge angeboten erhielt. Am 18.10.1938 erhielt Hocke die Einreisegenehmigung nach Belgien und die Flugkarte nach Brüssel. Beauftragt von Siegfried Traub und Ernst Paul, organisierte Hocke ab Oktober 1938 in Brüssel die Visaerteilung und die Unterbringung seiner zur Flucht gezwungenen Landsleute in Heimen der belgischen Jugend-, Naturfreunde und Gewerkschaftsbewegung. Die erste Gruppe mit 75 erteilten Visa kamen, nachdem der Flugverkehr Prag-Brüssel eingestellt wurde, am 18.1.1939 mit einem niederländischen Sonderflugzeug in Brüssel an. Weitere Flüge erfolgten. 75 neue Visa wurden erteilt und am 23.2.1939 trafen mit dem schwedischen Schiff „Kastelholm“ vom polnischen Gdynia aus insgesamt 178 sudetendeutsche Flüchtlinge in Antwerpen ein. Weitere, vor allem Angehörige folgten, so dass insgesamt 253 Menschen in Belgien auf Kosten der belgischen Arbeiterbewegung Zuflucht fanden.

Willi Hocke hatte seine Kanzlei im Sekretariat der Sozialistischen Jugend im 1. Stock des Volkshause in Brüssel eingerichtet. Hier sollte die Vorbereitung der Auswanderung nach Übersee, so schnell wie möglich erfolgen.

Am 3.5.1939 wurde die erste Auswanderergruppe, bestehend aus 12 Familien mit 44 Personen im Hafen von Antwerpen für Großbritannien eingeschifft. Es folgten weitere Gruppen mit insgesamt 31 Flüchtlingsfamilien mit 31 verh. Männern, 32 Frauen, 42 Kinder und 17 unverheirateten männlichen Familienmitgliedern.

17 Familien mit rund 60 Mitgliedern wollten nach Bolivien, dazu kam es nicht, weil Belgien vorher besetzt wurde. Weitere 122 wollten nach Kanada.

Am 10. Mai 1940 erfolgte Hitlers Angriff auf Belgien. Hockes Bemühungen um die Weiterwanderung, das Überrolltwerden durch die Hitlerarmee, die Nöte bei der Flucht über Dünkirchen nach Calais und die rettende Fahrt auf dem Kohlenschiff „Leka“ nach England ist im Dokumentationswerk des Seliger-Archivs „Menschen im Exil“ (1974) eindrucksvoll dargestellt.

In England angekommen wurde Willi Hocke erst einmal mit anderen auf der Isle of Man interniert. Später wohnte er in Coulsdon, Surrey-England, 11 Fairdene Road. (aus: Bericht in der BRÜCKE zu Hockes 60. Geburtstag hat am 27.12.1956)

Zum Tod von Hans Vogel, dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands am 6. Oktober 1945 in London, schrieb Willi Hocke für die Sozialistische Erziehungs-Internationale (SEI) in London: "Im Namen der SEI gestatten wir uns, Euch unser aufrichtigstes Beileid zu diesem schweren Verlust zu übermitteln. Hans Vogel war uns stets ein Vorbild ehrlichster Gesinnung und unermüdlicher Pflichterfüllung. Für die junge Generation war er der gute Freund, das leuchtende Beispiel eines aufrechten Charakters ..." (aus: Sozialistische Mitteilungen Nr. 79 / 80 – 1945)

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hocke provisorischer Sekretär der Sozialistischen Erziehungs-Internationale in Frankfurt/Main. Heute ist die Internationale Union Sozialistischer Jugend (IUSY) ein Nachfolger der Sozialistischen Erziehungs-Internationale, die von der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) mitbegründet wurde.

Verstorben ist Willi Hocke am 05.09.1962 in Bobingen.

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