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Jahresseminar 2017 - III

Veröffentlicht am 01.11.2017 in

Wenn der Mann auch fällt ... Holzschnitt von G.H. Trapp

Georg Hans Trapp (1900-1977) – seine unbekannten Zeichnungen

Adam Stupp und Thomas Oellermann stellen den Künstler und sein Werk vor

Am 15. Mai 2017 hat Adam Stupp die 90 erreicht, was ihn aber nicht daran hinderte, in unnachahmlicher Weise und beeindruckend seinen Beitrag in der Seliger-Gemeinde zu präsentieren: Hier ein Filmausschnitt dazu.

 

Georg Hans Trapp wurde am 1. Dezember 1900 in Aichwald bei Teplitz-Schönau in einfachen Verhältnissen geboren. Einer Lehre als Glasgraveur folgten ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Teplitz-Schönau. Eine Reise nach Rom sowie der Besuch einer italienischen Kunstakademie folgten. Nach dem Umzug nach Wien studierte er bei Professor Slama.

In den 30er Jahren vorigen Jahrhunderts, nachdem er das Studium kurz vor dem Abschluss abbrechen musste, weil sein Vater gestorben ist, folgte eine Arbeit als Grafiker für die Arbeiterbewegung im Sudetenland. Er arbeitete als Zeichner der Deutschen Sozialdemokratischen Freiheit und anderer deutscher sozialdemokratischer Zeitschriften und Publikationen in der Tschechoslowakei.
 Unzählige von antifaschistischen Plakaten und Fotomontagen oder Buchtitel entstanden während dieser Zeit. Viele bekannte Motive werden aber nicht mit Georg Hans Trapp in Verbindung gebracht, weil es bisher keinen entsprechende Aufarbeitung dieses künstlerischen Nachlasses gibt.

1938 floh der Künstler vor der deutschen Besetzung des Sudetenlandes nach Norwegen. Dort gründete Trapp mit einigen anderen ein Kollektiv zur Herstellung von Holzspielzeug.

1942, zwei Jahre nach der deutschen Besetzung Norwegens, wurde er von der Gestapo gefasst und mit Frau Hanne ins Gestapo-Gefängnis Grini gebracht. 1944/45 war er im Konzentrationslager Flossenbürg und ab
August 1944 im Außenlager Hersbruck. Den Todesmarsch nach Dachau überlebte er als einer von nur zwei Überlebenden. Dort traf er Kurt Schuhmacher, Alois Ullmann und Roman Winkler. Seine Frau Hanne musste verschiedene Frauenlager durchleiden.

1945 kehrte er kurz darauf in die Tschechoslowakei zurück und musste die Tragödie der Vertreibung der Sudetendeutschen erleben. KZ-Insassen waren anfangs in der Tschechoslowakei ohne Verfolgung, aber bald zeigte sich, dass Trapp im Zustand des Geduldetseins in der Heimat als Künstler nicht schaffen konnte. So zog er bald nach Schweden, wo er seine Arbeit fortsetzte. Er übersiedelte mit seiner Frau in die Stadt Gränna und fertigte dort Kreide- und Rötelzeichnungen an, die sich mit dem Leid der Häftlinge auseinandersetzen. Er sammelte im KZ kleine Stückchen Packpapier und Bleistiftstummel, um sich die erlebten Schreckensbilder von der Seele zu zeichnen. Viele davon gingen nach der Befreiung und nach der Heimkehr verloren. Für den Künstler stellte diese Auseinandersetzung mit den grauenhaften Erlebnissen eine Form der Aufarbeitung dar. Die Grafiken geben ein sehr persönliches und einzigartiges Bild dieser Zeit. Am 11. Mai 1991 wurde in Karlsbad die Ausstellung er Zeichnungen „Antlitz der Opfer“ eröffnet, dazu gibt es auch einen Ausstellungskatalog. Die Bilder müssten momentan im Bestand der Gedenkstätte Flossenbürg sein.

An Georg Hans Trapp wurde am 7. Dezember 1968 in Bonn zum ersten Mal der Wenzel-Jaksch-Preis der Seliger-Gemeinde verliehen. In seiner Laudatio spricht der damalige Vorsitzende Ernst Paul: “Sein Lebenswerk gilt der Wahrung des Vermächtnisses der Sudetendeutschen Arbeiterbewegung. Die Illustrationen auf unseren Mai-Festschriften und Jahrbüchern beweisen, dass Künstler fehlten, deren Werke auch von den Massen des Volkes verstanden wurden und die zugleich hohen künstlerischen Ansprüchen gerecht werden konnten“. Artur Schober in der Rede zur Ausstellungseröffnung 1991: „Für uns ist Georg Hans Trapp der große Künstler der sudetendeutschen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung“.

Trapp experimentierte auch mit anderen Kunststilen und Richtungen, gestaltete Wände in öffentlichen Gebäuden und Kirchen. 1977 starb er in seiner schwedischen Wahlheimat.

Thomas Oellerman präsentierte anschließend eine ausführliche Bilderreihe mit Grafiken, Zeichnungen und Drucken aus den sozialdemokratischen Zeitschriften und Publikationen der 30er Jahren. Es wurde angeregt, eine entsprechende Publikation oder Ausstellung ins Auge zu fassen.

 

 

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