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Herbstseminar 2025

Veröffentlicht am 24.10.2025 in Allgemein

Mit Interesse verfolgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die interessanten Beiträge des Herbst-Seminars der Seligergemeinde (Foto: Christian Reppe)

 

Herbstseminar mit Tiefgang

Viele politische Themen und eine wegweisende Bundesversammlung

Das Herbstseminar der Seliger-Gemeinde vom 17. bis 19. Oktober 2025 in Bad Alexandersbad stand unter dem Motto „Es ging um alles – deutsche und tschechische Perspektiven auf 80 Jahre Kriegsende und Vertreibung“. Ein reichhaltiges Programm mit abwechslungsreichen Vorträgen fesselte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Begonnen hat das Seminar wie üblich mit einem gemeinsamen Abendessen im Ev. Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad, in dem die Seliger-Gemeinde seit Jahren tagt. Anschließend begrüßten die Bundesvorsitzenden Christa Maaß, MdL a,D. Und Helena Päßler die Teilnemerinnen und Teilnehmer und Seminarleiter und Präsidiumsmitglied Thomas Oellermann stellte das Seminarprogramm vor.

Noch am Freitagabend referierte Rüdiger Zimmermann in seinem Vortrag zu 100 Jahren Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) über Tschechinnen und Tschechen, die in der Friedrich-Ebert-Stiftung, nachdem sie die Tschechoslowakei nach dem kommunistischen Umsturz verlassen hatten, Arbeit und eine neue Heimat gefunden hatten. Zimmermann (Jahrgang 1946) ist Historiker und wissenschaftlicher Bibliothekar. Er war von 1996 bis 2011 Leiter der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, wo er mit vielen tschechischen Exilanten persönlich zusammenarbeitete.

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen der Bundesversammlung der Seliger-Gemeinde, die heuer auch wieder Neuwahlen für das Präsidium und den Bundesvorstand durchzuführen hatte. Trotzdem blieb Zeit, sich mit einer Reihe von Anträgen und der Resolution „100 Jahre Heidelberger Programm der SPD und die Zukunft Europas“ zubefassen. Hierzu hielt Jörg Nürnberger, MdB a.D.ein Impulsreferat zum Thema „100 Jahre Heidelberger Programm der SPD  - die Idee eines vereinigten Europas“. Die Anträge mit weitreichenden Forderungen sowie die Resolutuon wurden von der Bundesversammlung einstimmig angenommen. Bürgermeisterin Anita Berek sprach ein Grußwort.

Der Nachmittag gehörte dem Alexandersbader Forum. Ein Diskussions-Format, dass die Seliger-Gemeinde seit mehreren Jahren anbietet, um sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen im deutsch-tschechischen Dialog zu befassen. Auch heuer zeigten die Zuhörer reges Interesse am gesellschaftspolitischen Thema aus dem Nachbarland: „Geschichte in der Sackgasse“. Jakub Vrba und Andreas Wiedemann diskutierten die Rolle von Geschichtsvermittlung in der heutigen Zeit. Die Veranstaltung wurde von Thomas Oellermann moderiert.

Im zweiten Teil des Nachmittagsprogramms sprach Ulrich Miksch mit Oto Novotný, dem Leiter der analytischen und politischen Abteilung der ČSSD und Berater des Ministerpräsidenten, über das vor 20 Jahren gelaufene „Antifa-Projekt der Regierung Paroubek“. 2005 hat die tschechische unter Ministerpräsident Jiří Paroubek den Beschluss zur Würdigung jener Sudetendeutschen gefasst, die aktiv gegen den Nationalsozialismus gekämpft und der Tschechoslowakei während der deutschen Besetzung (1939 bis 1945) treugeblieben waren. Paroubek entschuldigte sich für die Enteignung und Vertreibung dieser Deutschen. Die Prager Regierung stellte dreißig Millionen Kronen (damals eine Million Euro) für Projekte zur Verfügung, um die Schicksale der betroffenen Menschen zu dokumentieren. Paroubek und sein Außenminister Cyril Svoboda betonten weiters, dass die Beneš-Dekrete, auf deren Grundlage nach dem Zweiten Weltkrieg über drei Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei ausgesiedelt worden waren, die deutschen Antifaschisten nicht betroffen hätten. Deshalb habe die Regierung sechzig Jahre nach dem Krieg jenes Unrecht wiedergutgemacht, das im Widerspruch zu diesen Gesetzen geschehen sei. Da Novotný nur tschecisch spricht, übersetzte Thomas Oellermann Fragen und Antworten.

Nach dem Abendessen schloss sich, wie inzwischen üblich ein Filmabend an. Der Historiker Filip Bláha präsentierte den tschechoslowakischen Film Siréna (Sirene) aus dem Jahr 1947 über streikende Bergarbeiter unter der Regie von Karel Steklý. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Marie Majerová. Der Film spielt im Böhmen des späten 19. Jahrhunderts und schildert einen Bergarbeiterstreik in Kladno gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen. Dabei werden Themen wie soziale Ungleichheit und proletarischer Kampf thematisiert.

Nach dem gemütlichen Beisammensein am Samstag-Abend ging es Am Sonntag wieder mit „Kladno – eine unbekannte Stadt, die man kennen sollte“ weiter. Filip Bláha stellte die historische Stadt Kladno vor und diskutierte anschließend mit dem in Kladno geborenen Libor Rouček über die Entwicklung der Stadt und ihrer heutigen Rolle. Auch dieses Gespräch moderierte Thomas Oellermann und Holger Grießhammer, SPD-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, sprach ein Grußwort.

Den letzten Seminarbaustein präsentierte Veronika Kupková. Sie stellte die Buchreihe „Mitten am Rande“ vor. "Mitten am Rande" ist eine Buch- und Projektpräsentation des Vereins Antikomplex. „Als die Grenzen wegen der Pandemie geschlossen wurden, wollten wir nicht untätig dasitzen. Die Menschen in den Grenzregionen erlebten intensiv die Präsenz der neuaufgetauchten Staatsgrenzen. Gemeinsam haben wir in den Interviews die seltsame Zeit der Pandemie-Einschränkungen überlebt“, verriet die Mitautorin. So entstand eine Publikation, die versucht, den stereotypen Ruf des Sudetenlandes ein wenig zu korrigieren. „Die Geschichte dieser Region ist vielfältiger, als uns von Fernsehserien, Zwergenmärkten oder Friseursalons oft suggeriert wird“, so Kupková weiter. Der Verein Antikomplex kenne die Sudeten und wisse, dass dort die unterschiedlichsten Menschen lebten. In 13 Interviews zeige er die Geschichten von Menschen, die die Welt um sich herum verändern – bewusst, mit Respekt vor dem Ort, der Natur und anderen Menschen. Veronika Kupková las einige Passagen auf Tschechisch aus den vier Büchern vor, die Thomas Oellermann in der deutschen Übersetzung präsentierte.

Mit einem gemeinsamen Mittagessen endete das diesjährige, doch sehr mit politischen Themen besetze Seminar.

Alexanders- bader Forum

Forum Bad Alexandersbaddie Seliger Gemeinde ging 2018 mit einem neuen Diskussionsformat an den Start

Das Alexandersbader Forum befasst sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen im deutsch-tschechischen Dialog.

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Da immer größeres Interesse deutscher und tschechischer Leserinnen und Leser für diese Publikationen erkennbar ist, erweitert die Seliger-Gemeinde ihr Portfolio um das Format „Lorem ipsum“, das die Lust auf deutsch-tschechische Literatur aufgreift und unterstützen will.

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